Zur Einweihung des Virtuellen Heiligtums

MTA

 

Zur Einweihung des Virtuellen Heiligtums – 5. August 2006

 

Du unsere Muttergottes, unsere Mutter, unsere Königin.

Der ewige Vatergott hat Dich erwählt, der Kirche und der Welt in dieser Zeit der Wende in der Schönstattfamilie ein neues Herz zu schenken.

Du willst unser Herz deinem Herzen gleichgestalten. Du willst unser Herz mit Deinem Herzen zu einer lebendigen Einheit verbinden. Die Liebe zum Dreifaltigen Gott, die in Deinem Herzen lebt, willst du in uns hinein übertragen.

Herzensheiligtum

Das Heiligtum unseres Herzens ist Sinn und Ziel unserer Schönstattbewegung. Es wird gefördert durch die originalgetreuen Heiligtümer, die Hausheiligtümer, die lebendigen Herzensheiligtümer der Ehepaare und der religiösen Gemeinschaften.
Nun ist ein neuer Weg der Verbindung aller Menschen untereinander entstanden: die virtuelle Welt des Internet. Menschen haben Zugang und Zugriff zu Informationen und anderen Menschen, Zugang und Zugriff können jederzeit vollzogen werden – und in Sekunden getrennt werden. Eine neue Generation ist entstanden, die im Internet ihren eigentlichen Lebensraum hat und das, was man früher „Welt“ nannte, als Ausgangsfeld hinein in die Lebenswelt des Internet nützt.

Ein neuer Mensch

Ein neuer Mensch ist im Entstehen. Er ist mit den Menschen der Neuzeit weniger verbunden als ein Jäger und Sammler der ersten Phase der Menschheit mit den nachfolgenden Ackerbauern und dieser mit dem Großstadtmenschen der Neuzeit. Dieser neue Mensch kann jederzeit aus der Welt der Neuzeit übergehen in die Welt der neuesten Zeit und dort kommunizieren mit dem Wissen der Welt und ihren Menschen. Die Welt des Internet ist sein Lebensraum. Sie prägt und beseelt die Welt der Neuzeit wie einst die Welt der Neuzeit mit ihrer unfassbaren Technik die Lebenswelt der einfachen Negerstämme – xyx um ein Beispiel zu nennen – durchdrungen und geprägt hat. Naive Persönlichkeiten, die noch ganz in der Vergangenheit, in der Neuzeit, zuhause sind und die deshalb für die neueste Welt des Internet kein Organ haben, gleichen einem Eingeborenen der alten Welt, der einen Hubschrauber fliegen sieht. Diese Menschen der Neuzeit betrachten diese Welt der neuesten Zeit, die Welt des Internet, allenfalls als Werkzeug, das man nützen kann, die veraltete Welt der Neuzeit zu neuen Höhen zu führen – so wie einst ein Acker und ein Kuhstall für einen aus der Kultur der Jäger und Sammler nichts weiter war, als eine einfachere, bequemere Form, Tiere zu jagen und Früchte zu sammeln.

Ein Heiligtum in der Welt des Internet

Gnadenmutter von Schönstatt! Du hast uns berufen, in der Welt des Internet ein Heiligtum zu errichten. Du willst dort in der Mitte der Menschen der neuesten Zeit wohnen. Du willst in ihrem Herzen eine Welt der Liebe zum Vater im Himmel entstehen lassen. Alle, die in dieses Heiligtum der virtuellen Welt eintreten und dort verweilen, sollen in Deinem Herzen Zugang erhalten zu allem, was existiert im Internet und liebenswert ist. Wir erbitten von Dir die Gnade: Komm zu uns in die Welt der neuesten Zeit – die die Neuzeit in Gestalt und Möglichkeiten weit hinter sich lässt. Gib uns in diesem Heiligtum der virtuellen Welt ein göttliches Licht, so dass wir alles, was dort lebt und in Wort und Bild gebracht wird, durchsichtig machen auf unseren unendlichen Vater im Himmel hin, der uns zärtlich berührt, erleuchtet und zur schöpferischen Gestaltung einlädt.

Lass unsere virtuelle Welt für uns eine permanente Einladung sein, Dir, unserer Mutter und Königin, Opfer ins Gnadenkapital zu bringen.

Eine große Bitte

Und hier sagen wir Dir auch unsere größte Bitte: Mach doch, dass wir die Gnade erhalten, in unserer Welt des Internet, in allem das Licht des Himmlischen Vaters zu sehen. Gib uns die Gnade, die Botschaft vom göttlichen Licht im Internet den Menschen weiter zu geben. Der Vater im Himmel fügt Tat um Tat, Weg um Weg in unserer virtuellen Welt. Das Internet ist der Weg, heilig zu werden – für uns, und für alle, die glauben.

Kapital - GNADENkapital nämlich!

Nun möchten wir auch zeigen, dass wir Dich, unsere Königin, lieben. Wir eröffnen nun endgültig das Gnadenkapital des Internet. Wie soll das geschehen, wir können wir Dir beweisen, dass wir Dich wirklich lieben? Welches sind die Lebenswege eines Internet-Users, Dir eine Freude zu machen?

Wir hören von Dir drei Worte: Licht, Kraft, Zuversicht.
Unsere Beiträge ins Gnadenkapital unseres Virtuellen Heiligtums sind also:

1. Ringen um das göttliche Licht

In der alten Welt des Jägers, des Bauern und auch noch in der Neuzeit war das einfacher: Die Bilder blieben länger stehen. Da war es leichter, den lieben Gott hinter allem zu sehen. Freilich, auch im Fernsehen wechseln die Bilder schnell. Das Internet jedoch ist noch schneller.

Göttliches Licht bedeutet: Wir nehmen die Bilder, die wir in großem Tempo in uns aufgenommen haben, mit ins Virtuelle Heiligtum und ruhen aus bei Dir, unserer Mutter, bei Dir, unserer Königin. Wir suchen Dein Herz, liebe Gottesmutter. Wir verweilen bei Dir. Und dann geschieht etwas Eigenes: Die Bilder, die wir in den vergangenen Stunden in uns aufgenommen haben, kommen uns wieder in den Sinn. Nicht Anstrengung ist hier angesagt, sondern Ruhe. Und wir sehen dich, liebe Gottesmutter, bei uns, und du lehrst uns, im Lichte Gottes alles noch einmal heller und wärmer zu sehen. – Der Vater führt und er fügt alles, auch wenn wir noch nicht das Ganze sehen. Der Vater liebt sein Kind: das Internet. Wir lieben mit ihm dieses Kind, weil unser Herz in Dein Herz eingeschrieben ist, bereit, mit Jesus zu leiden.

Die Methode ist also: Ausruhen bei Dir, unserer Mutter, bei Dir, unserer Königin – ausruhen, nicht Aktivitäten setzen. Einfach – das Wort sei erlaubt, denn so ist es tatsächlich – an Deinem Herzen ausruhen. Wir sehen, wenn wir in Ruhe verweilen, einzelne Bilder aus dem Internet, aus Beruf oder Freizeit, in uns auftauchen und wir sehen den Vater im Himmel dahinter. Im praktischen Leben sagen wir dann einfach immer wieder: „Ach so, du bist das!“

2. Das Zweite, das wir Dir schenken, ist das Stehen in göttlicher Kraft.

Aus der Ruhe wird Tat: Ausruhen bei Dir bedeutet dann, Dir ein Geschenk machen. Du willst nichts anderes als dies: Dass wir das, was zu tun ist, besser machen – und das schenken wir Dir, Königin. Von nun an wird geliebt: „Ab in den Krug“ sagen wir dann, und dabei ist ein Lächeln, das sich durchaus mit dem Stöhnen und Weinen unseres Herzens verbinden kann. Wenn Du uns anschaust, jammern wir Dir etwas vor und wir schenken Dir, was anliegt: Dass wir unsere Arbeit am Computer besser machen. Dass wir die Folgen aus den gewonnen Informationen cool auf uns nehmen. Wenn wir in Deinem Herzen sind, wird die Information, die wir aufnehmen, nicht zu innerer Abwehr, zum Stöhnen und zu Härte oder Mutlosigkeit, sondern zu einem Stehen in göttlicher Kraft. Wir wissen, Königin, dass solche Kraft ausstrahlt und auch unsere Kollegen ruhiger und stärker macht. Wir glauben aber auch, dass unser Teilnehmen am Leiden des Herrn die Liebe des Vaters auf die anderen herab ruft. Unsere Verbindung mit Dir macht uns gelassen, erhöht unsere Fähigkeit, Probleme zu lösen: göttliche Kraft bedeutet auch, erhöhte Kompetenz. Was schwer wird schenken wir Dir – „ab in den Krug“. Liebe darf weh tun.

Dies ist unser zweites Geschenk an Dich.

3. Das Dritte ist ein Stehen in Zuversicht.

Das Tempo ist groß. Wir wissen nicht, was kommt. Früher war das anders. Da blieben die Verhältnisse lange stabil, jahrzehntelang, jahrhundertelang. Der Sohn eines Bauern wurde Bauer, der Sohn eines Schmieds wurde Schmied. Heute lernt der Vater von seinem Sohn, wie man mit dem Internet umgeht. Und wenn dieser Sohn selber wieder Vater ist, wird auch er von seinem Sohn lernen. Die Entwicklung geht weiter. Immer weiter. Und wir sind unsicher. Was wir können zählt morgen nichts mehr. Immer kommt etwas Neues. Aber Du bist bei uns, und wir sind bei Dir. Und dann kommt die Zukunft aus dem Geheimnis Gottes. Mögen andere sagen: „Das wird schon werden!“, wir sagen es mit ihnen, aber die Nähe zu Dir gibt der Zuversicht einen anderen Grund. In Deiner Nähe wird Zuversicht zu einem gläubigen Rechnen mit Gott. Wo Angst oder auch nur Sorge uns veranlassen möchte, unruhig zu werden, rechnen wir mit dem Strom des Lichtes und der Kraft, der aus Deinem Herzen kommt. Wir sagen also nicht nur mit unseren Kollegen, Ehepartnern oder Freunden: „Das wird schon werden!“, wir sagen vielmehr mit Pater Kentenich: „Mhc – mater habebit curam: Die Mutter wird sorgen.“

Unsere Beiträge in das Gnadenkapital des Virtuellen Heiligtums sind also:

1. „Ach so, du bist das“ – sagen wir in göttlichem Licht.
2. „Ab in den Krug“ – sagen wir in göttlicher Kraft.
3. „Mhc, sie macht das schon“ – sagen wir in göttlicher Zuversicht.

Gnadenmutter von Schönstatt – Mutter und Königin des Internet: Wir spüren Dich sehr nahe. Du kannst mit uns rechnen. Komm zu uns ins Virtuelle Heiligtum. Wir rechnen mit Dir.
Amen.

Pater Tilmann Beller, Wien