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Ein Gang durch die Buchhandlungen

Datum18 May, 2010 - 19:49 – Christine und Gerald
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Pfingsten 2010 findet der 3. Europäische Familienkongress in Schönstatt statt.

Pater Elmar Busse stimmt mit einer Artikel-Serie auf das sperrig klingende Thema - der Schönstättische Bindungsorganismus - ein. ACHTUNG: leider keine langatmig-theoretische Abhandlung, sondern bloß sensationell ansteckend und mitreißend geschrieben... Eye-wink

In diesem Artikel: "Beobachten - Vergleichen - Straffen - Anwenden"
Teil 3 - Straffen oder Ein Gang durch die Buchhandlungen

Ein Gang durch die Buchhandlungen
Als ich neulich einmal wieder durch eine Buchhandlung ging und mir Neuerscheinungen und Bestseller anschaute, fiel mir auf, dass in den letzten Monaten viele Bücher herausgegeben worden waren, die das Wort „Prinzip“ im Titel führen. „Das Moses Prinzip“, „Das Leuchtturm-Prinzip“, „Das Pinguin-Prinzip“ „Das AKLV- Prinzip“, „Das a3-Prinzip“, „Das moderne Artus-Prinzip“. Warum feiert das Wort Prinzip zurzeit eine solche Renaissance?

In einer Zeit, die vom Neuen, vom Anderen fasziniert war, in einer Zeit, in der Anarchie attraktiv war, waren Prinzipien oft gleichbedeutend mit Erstarrung, Verknöcherung, mit Alt – und deshalb abzulehnen. Das alles sollte über Bord geworfen werden. Doch diese Neuerscheinungen weisen uns auf einen geistig-seelischen Klimawandel hin. Prinzipien sind wieder attraktiv. Schauen wir einmal in die Vorworte dieser Bücher, in denen die Autoren die Wahl ihres Titels begründen:

Ein Beispiel für viele
Patrick Wenke schreibt: Der Kauf eines Teppich machte mich auf das „a3-Prinzip“ aufmerksam!
Da war er, der Teppich. Hunderte von kleinen schwarzen, unscheinbaren und finster blickenden Fischen schwammen nach rechts und ein knallig bunter, lebensfroher Fisch schwamm entgegengesetzt. Mein erster Gedanke: „Mein Lebensmotto“, denn sämtliche Erfolge verdanke ich der Tatsache, immer etwas anders gemacht zu haben als Andere. So fasste ich den Entschluss, ein Buch über das Erfolgsprinzip „Anders als Andere“ also das „a3-Prinzip“ zu schreiben.
Josef Bechter und Franz Lattner habe als Erfolgskriterien für Beruf und Privatleben die sechs Faktoren Achtung – Klarheit - Liebe & Leistung – Vertrauen & Verantwortung Das AKLV-Prinzip entwickelt. Und sie versprechen: Unser Buch „ist den vielen Millionen Menschen gewidmet, die auf einer realistischen Basis privat und beruflich erfolgreich sein wollen, die auf der Suche nach einem lebenswerten Leben sind, und nach einer positiven, glücklichen Zukunft streben, die nach richtigen Entscheidungen suchen, Zufriedenheit, Harmonie, Glück und Erfolg als festen Bestandteil in ihr Leben integrieren wollen. Und der bekannte Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski schreibt in seinem „Das Moses-Prinzip“: Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der die Jugend mit einer mangelhaften Sozial- und Werteorientierung aufwächst: ratlos, rastlos und am Ende bindungslos. Erziehung und Bildung in Elternhaus und Schule müssen sich wieder ihrer Verantwortung stellen und sich Gedanken darüber machen, wie die soziale Beliebigkeit des modernen Lebens ausgemerzt werden kann. Opaschowski formuliert „Die Zehn Gebote des 21. Jahrhunderts“. Das Moses-Prinzip zeigt, wie Menschen verantwortlich miteinander umgehen und das Leben kommender Generationen lebenswert erhalten können.

Prinzipien als Orientierungshilfe
In all diesen Büchern geht man aus von der neuen Unübersichtlichkeit des Lebens, von den rasanten Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Da sind es Prinzipien, die einem wieder Orientierung und Klarheit schenken können. Es wird in unserer Gesellschaft etwas wieder entdeckt, was der Gründer der Schönstatt-Bewegung 1912 als wichtig eingestuft hatte: In seinem Vortrag vom 27.Oktober 1912 sagt er seinen Schülern: Als Priester müssen wir nun einmal einen tiefen, nachhaltigen Einfluß ausüben auf unsere Umgebung. Und das tun wir im letzten Grunde nicht durch den Glanz unseres Wissens, sondern durch die Kraft, durch den inneren Reichtum unserer Persönlichkeit. Wir müssen lernen uns selbst zu erziehen. Uns müssen wir erziehen; uns mit allen Fähigkeiten. Welche Fähigkeiten das sind, werden wir später sehen. Wir müssen uns erziehen zu festen Charakteren. Die Kinderschuhe haben wir längst ausgezogen. Damals haben wir uns in unseren Handlungen leiten lassen von Laune und Stimmung. Jetzt aber müssen wir handeln lernen nach festen, klar erkannten Grundsätzen. Alles in uns mag wanken. Es kommen gewiß Zeiten, wo alles in uns wankt. Da können uns die religiösen Übungen nicht mehr helfen.

Nur eines kann uns helfen: Das sind unsere Grundsätze.
Wir müssen feste Charaktere sein.“ Und zwei Jahre später sagt er zu den Jungen: „Wohl mögen während der Ferien unter dem Rauch und Staub des Alltags manche Ideale abgebröckelt sein, wohl mag da mancher Grundsatz, den wir im Laufe des Jahres gefasst und für unabänderlich hielten, die Probe auf das praktische Leben nicht bestanden haben. Aber eines ist uns geblieben - dessen bin ich sicher: Es ist die Überzeugung, dass ein echter Sodale und wahre standesgemäße sittlich-religiöse Größe voneinander unzertrennbar sind. Und wie am Schlusse vorigen Schuljahres, so beseelt auch heute uns der Wille zum Siege, zur Erreichung unseres Kongregationsideals. Nein, meine lieben Sodalen, ich habe nicht das Vertrauen zu Ihnen verloren.“

Gottes Umgangsstil mit uns Menschen kennt Konstanten.
Für Pater Kentenich gehörten Prinzipien / Grundsätze zu einer starken und reifen Persönlichkeit. Und er fragte auch immer wieder: Hat Gott im Umgangsstil mit uns Menschen bestimmte Prinzipien? Den Vorgang, aus der Vielzahl der Lebensbeobachtungen über das Vergleichen zu Prinzipien vorzudringen, den nannte er „straffen“. Issac Newton beobachtete einen Apfel, der vom Baum fiel, er staunte über diese Selbstverständlichkeit und entdeckte das Gravitationsgesetz.

Was hat das Immaculat-Dogma mit uns Menschen zu tun?
Pater Kentenich staunte darüber, wie die Gottesmutter ihm in seinen seelischen Nöten geholfen hatte, er konnte im Leben des Studenten Franz von Sales eine ähnliche Krise und ebenfalls die Lösung durch die Gottesmutter beobachten, er verglich also, und fragte dann: Ist das nur zufällig, oder steckt dahinter ein Prinzip? Und er entdeckte, dass Maria als die Immaculata, als die Frau ohne Erbsünde, ein Mensch mit erlösten Beziehungen ist. Sie als die Vor- und Vollerlöste hatte eine gute Beziehung zu sich selbst, zu Gott und zu ihren Mitmenschen. Sie konnte und kann Nähe anbieten, Liebe schenken, ohne dem Menschen die Freiheit zu rauben. Was er an sich und an den ihm anvertrauten Jungen beobachtet hatte, dass nämlich die Gottesmutter eine ideale Erzieherin ist – die Begründung dafür fand er in dem Immaculata-Dogma. Das war echtes Neuland, denn vielfach wurde das Immaculata-Dogma als notwendig für die Menschwerdung des Gottessohnes angesehen. Pater Kentenich entdeckt die anthropolgische Dimension [also, was das mit uns Menschen zu tun hat] des Immaculata-Dogmas und er wendet es konsequent an. Er baut eine ganze Spiritualität darauf auf. Aber auch seine späteren Forschungen zum Weltgrundgesetz der Liebe, dass also der letzte Beweggrund für Gott die Liebe ist und dass er alles aus, für und durch Liebe tut, verdankt Kentenich seiner Fähigkeit zum Straffen. Auch seine Beobachtungen über das Zueinander von Gott und Mensch verdichtet er in Prinzipien. Ich möchte sie hier nur nennen, aber nicht erklären: Übertragung, Weiterleitung.
Wir können also beobachten, dass die Zeit uns entgegenkommt: Die Anliegen eines Josef Kentenichs, seine Beobachtungen, seine Art, Prinzipien zu finden, zu haben und anzuwenden, stoßen inzwischen auf eine Mentalität, die ganz offen dafür ist. Probieren Sie es selber aus und wagen Sie einen Schritt mit Kentenich auf Ihre Mitmenschen zu!

Pater Elmar BussePater Elmar Busse ist Schönstatt Pater und seit vielen Jahren in der Jugend- und Familienseelsorge tätig.