
von Haus Federer
Alle Jahre wieder - Nervenstress vor dem Halloween-Abend. Unsere Kinder quälen uns mit dem Wunsch nach dem Besuch einer Halloween-Party. Mit Hexen- und Geisterklamotten, Hausieren und gemeinsamer Übernachtung inklusive. Es ist ja eh bei netten Freunden.
Wir sagen nein.
Partyspaß
Der Grund ist nicht, dass wir die Freunde nicht mögen, sondern der Stil und Background des Festes. Wir lehnen den negativen Kommerz-Klamauk ab. Warum Leute wegen Süßigkeiten sekkieren, wenn alle Kinder im Überfluss leben? Und - wir brauchen keine bösen Geister von umherirrenden Untoten zu vertreiben, wie einst die Kelten, weil wir wissen, dass wir schon Erlöste sind und in den Himmel kommen können.
Soweit die rationalen Gegenargumente. Aber trotzdem bleibt die Sehnsucht nach Partyspaß bei unseren Kindern. "Ihr zerstört unsere Freundschaft. Dann sind wir Außenseiter!" Was tun? Wir wollen unseren Kindern ja nicht die Freude am Feiern rauben.
Die Chance - eine Alternative. Statt einer Halloween-Party gibt es am 31. Oktober im Pfarrheim Oberberg eine "All Hallows Eve- Party". Der Knackpunkt: Hoffentlích kommen auch andere Freundinnen, auch ältere Mädels, sonst ist es nicht cool, nur mit Kindergartenkindern.
Wie sieht so eine Party aus?
Gottseidank - die Ministrantenfreundinnen kommen. Sechs Mädels sind da. Wie sieht die Party aus? Mitgebrachte Utensilien: Es gibt einen großen Sack mit Tüchern, Gürteln und Schals - zum Verkleiden. Jedes Kind kann sich in einen "guten Geist" verwandeln - nämlich in einen Engel oder Heiligen. Dazu viele Bücher und Broschüren über Heilige - vor allem Kinder und Jugendliche als Heilige, wie die Fatima Kinder, Bernadette von Lourdes (mit Bild von unverwestem Leichnam, echt cool, Kommentar unserer Töchter), Therese von Lisieux, Dominikus Savio, etc. Dann gibt´s einen Besuch in der dunklen Kirche, der Herr Pfarrer erklärt uns die Symbole der dargestellten Heiligenfiguren. Warum hat z.B. der Hl. Augustinus ein Herz in der Hand, warum liegt neben Hieronymus ein Totenschädel, neben Ambrosius ein Bienenkorb - echt spannend und geheimnisvoll. Außerdem Bastelsachen: für Laternen, ein Kürbis zum Aushöhlen für ein "Kürbisheiligtum" anstatt eines Geistergesichts und Zierquitten mit Zahnstochern. Daraus basteln wir kleine Kreuze. Dann der Höhepunkt: Eine nächtliche Prozession zum Pfarrfriedhof als verkleidete Heilige mit Laternen und Grabgestecken in der Hand.

Halloween und Friedhof
Wir frösteln. Die Nacht ist klar und bitterkalt, über dem Friedhof geht der Vollmond auf. Fast ein bisschen gruselig - jedenfalls schaurig schön romantisch. Wir besuchen die Gräber von Kindern und Jugendlichen, beten für ein junges Mädchen, das bei einer "Schaumparty" niedergetreten und getötet wurde und am Friedhof begraben liegt, lesen die Inschriften der Grabsteine. An den Gräbern, wo kein Licht entzündet ist, stellen wir eine Laterne ab (Gurkenglas bemalt oder beklebt mit Teelicht), wir schmücken ungepflegte Gräber mit unseren Zierquittenkreuze. Die letzten Kreuze und Laternen legen wir im Russenfriedhof nieder. Der Vollmond strahlt hinter dem Sowjetstern. Wir sprechen über den Krieg, und warum soviele junge Männer damals sterben mussten,und ihre Angehörigen bis heute nicht wissen, wo sie begraben sind.

Wunder?
Zum Schluss fassen wir uns an den Händen und singen vor dem laternenerleutchteten Russendenkmal das Vaterunser. Dann geht´s zurück ins Pfarrheim, dort ist es schön warm und es warten die wohlverdienten Süssigkeiten - die gehören schließlich auch zur "All Hallows Eve-Party."
Beim Abendlob sagt unsere Tochter dann zu uns: Das war wirklich eine coole Party. Das sagt sie nicht oft. Eine Sternstunde für uns.
Und dann ein kleines Wunder. Die Freudinnen, bisher kirchlich eher fernstehend, bei denen die "verbotene" Party, zu der unsere Mädels nicht gehen durften, stattgefunden hat, kommen seither mit ihren Eltern (der Vater ist Moslem, aber nicht gläubig) sogar jeden Sonntag in den Gottesdienst in unsere Pfarre. Denn sie finden Kirche "cool". Tapferes Glaubenszeugnis wirkt. Das finden mittlerweile auch unsere Mädels.