
Urlaub - das heißt bei uns in den letzten drei Jahren regelmäßig, dass es entweder regnet oder jemand krank wird. Doch diesmal drehen wir den Spieß um. Wir planen für das schlechteste Wetter und freuen uns, wenn's besser wird.
So haben wir uns trotz Urlaub am Stubenberg See für jeden Tag ein paar Ausflugziele gesucht. Auf eines haben wir uns schon die ganze Woche gefreut: Natur erleben im Arche-Park. Keine Ahnung, wie Christine das irgendwo im Internet augetrieben hat...
Obi Hansl Hütte
Langer Rede kurzer Sinn: es war ein grenzgenialer Tag! Nach ein paar immer schnelleren Fahrten auf der Sommerrodelbahn sind wir recht früh zur "Obi Hansl Hütte" aufgebrochen, die inmitten einer wunderschönen Alm- und Waldregion auf 940m Höhe liegt. Schon beim Aussteigen aus dem Auto hat uns ein Kitz (Baby-Ziegenbock) neugierig begrüßt und hinter dem Zaun um Gras gebettelt. Highlight war dann das 5 Wochen alte Baby von Mini-Ponys, die an sich schon nicht gross sind. Ganz zu schweigen von den Mini-Schafen, den Schweinen mit schwarzem Wollfell (Mauriza Schweine) usw.
3,5 Stunden Führung - und das Ganze ist interessant für alle, vom Kleinkind bis zum Pensionisten???
Nach einem herrlichen Mittagessen (Wollschwein, Almochse, ...) hat die Natur erleben Führung gestartet. Maria Hirschböck, ausgebildete Beraterin und Naturführerin, meint: 3,5 Stunden müssen wir schon rechnen - aber die Zeit würde wie im Flug vergehen. Was für eine Ansage! Also: Start mit der Legende von der Wolfsgrube, Wanderung über Wiesenboden, mit einem Spiegel unter der Nase durch den Wald (unglaubliche Perspektiven tun sich auf!), mit verbundenen Augen von anderen führen lassen, mit verbundenen Augen nur über eine Schnur geführt quer über eine steile Almwiese mit hohem Gras - Pause! Dabei lernen wir doch gleich einmal Lerchenkränze binden (Zweige entholzen, der hölzerne Kern wiederum ergibt zu Besen gebunden anti-septische Abwasch-Bürsten für Holzbretter), dann Holundersaft-Verkostung, Holunder-Pfeifen-Schnitzen - und weiter. Ach ja: du weisst noch nicht, dass sich eine blaue Glockenblume in einem Ameisenhaufen rosa zu verfärben beginnt? Logisch, Ameisensäure.
Obi Hansl Hütte als Arche-Park neu entdeckt
Schließlich kommen wir zum Arche-Park zurück und erfahren mehr darüber. Die Sache ist brandneu! In Österreich gibt's noch nicht einmal eine Auszeichnung dafür. Ja, für Arche-Höfe wohl - doch das ist der erste und einzige Arche-Park. Hier geht's nicht um Gewinn-Optimierung, sondern darum, seltene oder vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen wieder zu pflegen. So etwa die kleinste Schaf-Art, die - ausgewildert - auf einer französischen Insel überlebt hat. Ein paar Stück davon gibt es in Österreich. Sie wiegen gerade einmal ein paar Kilo und können - im Gegensatz zu unseren heutigen Leistungsschafen - sich noch selbst von ihrer Wolle befreien, wenn die Zeit dazu gekommen ist. Weiter geht's mit einer Ziegenart, von der es vor ein paar Jahren nur noch 10 Stück in Österreich gab. Die kleinste Kuh-Art der Welt? Natürlich vertreten. Ponys - siehe oben.
Blüten essen - Bierflaschen als Bodenwärmer - VW Käfer-Teile zum Selchen
Bleiben die Pflanzen. Ein Kürbis, der sich drei Jahre lagern läßt? Kein Thema. Minze von fruchtig über schokoladig bis zu ingwer-scharf? Logisch. Ein Kräutersitz (römische Kamille) zum Ausrasten, der gute alte (und als Unkraut bekämpfte) Spinatbaum - in der rot-.grünen Variante liefert der ein tolles rosa Make-Up mit Glitzereffekt, aber das nur so nebenbei. Steirische Kapern (scharf!), Blüten zum Essen (Kapuzinerkresse), eine Böschung aus leeren Bierflaschen (bringt Sonnenlicht und Wärme in den Boden, war aber nur so eine spontane Idee, die halt aufgegangen ist). Last but not least - die Selchkammer, aus der es heraudampft, gefüllt mit herrlichen Würstel. Der Deckel bei der Feuerstelle? Stammt von einem VW Käfer... Hungrig? Kein Thema - wir haben inzwischen sicher 20 Sorten Pflanzen gekostet, von denen wir vorher noch nicht einmal wirklich wußten, dass es sie gibt.
Butter - ja natürlich selbstgemacht
Ende gut, alles gut? Absolut. Denn das dicke Ende kommt noch: es wird schnell noch Butter mit der Hand angerührt und kühl gestellt, während Selchwürstel (Wollschwein, Hochlandrind) und selten Paradeissorten, lila Paprika, frisches Bauernbrot, Kräuter und Kräutersalz kredenzt werden. Mit der selbstgemachten Butter, der frischen Buttermilch und dem wunderbaren Ausblick ein Erlebnis der besonderen Art. Wer dann noch Durst hat, für den gibt's die Almfee - ein garantiert natürlicher, peppig-lila Eistee von einem Bauern in der Umgebung.
Was folgt, sind einige Gespräche mit dem hochinnovativen Bauern, der seit 1988 dieses Paradies aus einem ganz gewöhnlichen Bergbauernhof geschaffen hat. Ein Mann mit einer großen Vision - und Ideen, die uns sicher noch einige Male wiederkommen lassen. Morgen zum Beispiel!
Link: http://www.obi-hansl-huette.at/home-archepark.htm
PS: ... und das ganze zu sehr familienfreundlichen Konditionen - 10EUR für den Erwachsenen, 5EUR pro Kind - inkl. Holundersaft, Butter, Butterbrot & viele köstliche Pflanzen 
Kommentare
danke, das hört sich da
danke, das hört sich da ideal für kinder an
Die Kinder waren voll dabei,
Die Kinder waren voll dabei, von Langeweile keine Spur. Einzig bei den Wegstrecken mussten wir Lea (3) gelegentlich motivieren bzw. tragen, weil sie dann eingeschlafen ist (aber aus Müdigkeit, nicht weil's langweilig war).
Ganz besonders die Tiere, das Pflanzen-Verkosten, das Lerchenkranz-Flechten und das Blindgehen waren echte Highlights für die Kids.
toller Bericht, und wie wars
toller Bericht, und wie wars für die Kinder? Anstrengend, langwierig oder waren die sooo beschäftigt, dass gar keine Zeit zum fadisieren und müd werden war.