
von Familie Federer
Alles hat seine Zeit. In Zeiten des globalisierten Marketings aber meistens zwei Monate zu früh. Nikoläuse im Oktober, Ostereier und Schokohasen bereits am Aschermittwoch, zu Ostern ist man damit schon übersättigt - alles hängt einem buchstäblich zum Hals raus.
Wie leben wir im "entschleunigten" Rhythmus des Kirchenjahres, wie können unsere Kinder christliche Bräuche und Rituale intensiv und sinnerfüllt erleben und erfahren?
In der Fastenzeit: Radika(h)l...
Wir setzten Akzente in unserer Wohnung mit Zeichen und Symbolen, die für sich sprechen. Am Aschermittwoch wird der Faschingsschmuck gemeinsam abgeräumt. Alles wirkt kahler, leerer. Auch diese Erfahrung ist uns wichtig. In die Vase zur Gottesmutter im Hausheiligtum kommen jetzt nur Dornenzweige. Sie stehen für Wüste, für Kargheit, für Leiden. Manchmal ernten wir verwunderte Blicke von Besuchern - ein Gespräch entwickelt sich darüber.

...mit wachsendem Osterbaum...
In eine andere Vase haben wir Palmkätzchen gesteckt. Unsere Töchter leiden unter der Kahlheit: "bei anderen Leuten sind die Osterbäume schon geschmückt - aber wir sind immer anders..."

Da hab ich in der Zeitschrift des Kath. Familienverbandes eine geniale Idee entdeckt: der wachsende Osterbaum. Wir nehmen uns Fastenvorsätze vor: jeweils am Vorabend für den nächsten Tag, und beim Abendlob schauen wir, ob wir sie gehalten haben. Wer`s geschafft hat, darf etwas auf den "Osterbaum" hängen, was er gleichzeitig auch als "Kruggabe" für jemanden verwenden darf.

So "wächst" der Schmuck auf unserem Osterbaum und die Frucht unserer guten Taten und unseres Verzichts wird sichtbar... Zu Ostern schenken wir ihn Jesus.
...und Fastenkrippe...
Und damit´s in unserer Wohnung auch in der Fastenzeit nicht ganz so kahl bleibt, habe ich im Keller meiner Mutter einen kostbaren Schatz gelüftet: Nachgezeichnete Szenen aus der Kinderbibel auf Karton geklebt und ausgeschnitten; ein vierzig Jahre altes Vermächtnis meines vor zwei Monaten verstorbenen Vaters; er hat damit seine große, mit echten Felsformationen bestückte Weihnachtskrippe umgebaut zu einer Fastenkrippe.

Geniale Idee - das haben wir jetzt in seinem Andenken nach langer Zeit auch wieder probiert. Ein kleiner "Kalvarienberg" zum Anfassen - mit erweiterten Szenen von der Flucht nach Ägypten, über die Versuchung Jesu in der Wüste (unser kleiner Raphael war von der Darstellung des Teufels schaurig fasziniert, und bei Kerzenlicht hat er tatsächlich geheimnnisvolle Schatten an die Wand geworfen, das fanden auch die beiden älteren "gruselig"), die Verklärung am Berg Tabor, bis hin zur Leidensgeschichte - Ölbergszene, Geiselung, ganz oben dann das Kreuz. Die linke Seite der Krippe symbolisiert das Leiden, auf der rechten werden erst zu Ostern die Auferstehungsszenen aufgestellt.
Mittlerweile ist unsere Krippe ein richtiger Blickfang geworden, ein Verweilort, an dem sich unser Zweijähriger spontan hinkniet und ein Lied singen will... Ein Ort der Betrachtung, des Gesprächs für manche Besucher vielleicht sogar ein lebendiges Evangelium...