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Alles zum Thema: Familienkongress

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Archäometrie - eine ganz neue Wissenschaft

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Pfingsten 2010 findet der 3. Europäische Familienkongress in Schönstatt statt.

Pater Elmar Busse stimmt mit einer Artikel-Serie auf das sperrig klingende Thema - der Schönstättische Bindungsorganismus - ein. ACHTUNG: leider keine langatmig-theoretische Abhandlung, sondern bloß sensationell ansteckend und mitreißend geschrieben... Eye-wink

In diesem Artikel: "Beobachten - Vergleichen - Straffen - Anwenden"
Teil 2 - Vergleichen oder Archäometrie - eine ganz neue Wissenschaft

Archäometrie – eine ganz neue Wissenschaft
Im Frühjahr 2006 wurde in Mannheim das Curt Engelhorn Zentrum für Archäometrie eröffnet. „Archäometrie“ bedeutet mit modernsten wissenschaftlichen Methoden Gegenstände aus Metall zu untersuchen. Denn auf dem Antiquitätenmarkt tummeln sich nicht nur Sammler sondern auch Ganoven. Schließlich ist mit alter Kunst viel Geld zu verdienen. Doch wie soll man eine angeblich 1000 Jahre alte Goldmaske aus Peru auf ihre Echtheit hin untersuchen? Wie kann man Fälschungen entlarven? Ernst Pernicka, Inhaber des einzigen deutschen Lehrstuhls für Archäometrie, berichtete, dass 80% der Objekte aus einer Westafrikasammlung, die ein seriöser Sammler der Universität Bochum stiften wollte, Fälschungen waren. Der Sammler war geschockt.

Ein chemischer Fingerabdruck
Moderne Edelmetalle sind in verschiedenen Verfahrensstufen gereinigt. Antike Metalle enthalten stets Spurenelemente. Deren unterschiedliche Zusammensetzung je nach Herstellungsort ist so etwas wie ein chemischer Fingerabdruck. Ein weiteres Prüfungsverfahren beruht auf der Tatsache, dass fast alle Metalle Blei enthalten. Blei besteht aus einer Mischung von 4 Isotopen (=Atome mit unterschiedlichem Atom-Gewicht). Die Mischung dieser Isotope ist für verschiedene Lagerstätten charakteristisch. So konnte man in einer angeblich altindischen Bronzestatue Kupfer aus den Rocky Mountains nachweisen. Unter dem Mikroskop kann man auch die unterschiedlichen Fertigungsverfahren erkennen: Wurde ein Blech antik gehämmert oder modern gewalzt? Ist der Golddraht aus einem Blechstreifen geschnitten oder kalt gezogen durch die konische Bohrung in einem Diamanten, dem so genannten Ziehstein? Viele von den heute in Mannheim angewendeten Verfahren waren schon länger bekannt. Aber erst als im Rahmen des Apollo-Raumfahrtprogramms das Max-Planck-Institut für Kernphysik beauftragt wurde, Mondproben zu untersuchen, hat man die verschiedensten Analyseverfahren und die dazu notwendigen teuren Geräte in einem Institut zusammengefasst und entsprechende Fachleute ausgebildet. Winzige Mengen Material reichen für die jeweiligen Untersuchungsmethoden. So bleibt das antike Kunstwerk – so es wirklich eines ist – erhalten.
Dieser kleine Ausflug nach Mannheim kann uns verdeutlichen, wie hilfreich es ist, vergleichen zu können und so Fälschungen von echten Kunstwerken unterscheiden zu können.

Vergleichen können setzt einen weiten Horizont voraus
In der Pädagogik Pater Kentenichs spielt das Vergleichen auch eine wichtige Rolle. Beobachten – Vergleichen – Straffen – Anwenden. Immer wieder kommt er auf diesen methodischen Viererschritt zu sprechen, wenn er seine eigene Praxis erklärt und weitergibt. Wenn sich in der Seele etwas verändert – ist das nun ein gutes Zeichen oder ein schlechtes? Bedeutet dies Wachstum, Wucherung oder Zerfall?

„In gute Gesellschaft begeben“
Aufgrund des intensiven Studiums vieler Heiligenbiographien und aufgrund der Reflexion der eigenen seelischen Entwicklung stand Pater Kentenich ein reicher Fundus an Vergleichsmaterial zur Verfügung, um die Beobachtungen, die er angestellt hatte, auch richtig deuten zu können. Wenn sich einer seiner Schützlinge „in guter Gesellschaft“ befand – damit meine ich jetzt nicht seine unmittelbaren Freunde oder Kameraden, sondern wenn es in der Biographie eines späteren Seligen oder Heiligen ähnliche Entwicklungsschritte gab – dann hatte Pater Kentenich ein gutes Gefühl. Immer wieder regte er an, sich in diese gute Gesellschaft zu begeben und Heiligenbiographien zu lesen. Am meisten kann man von den Besten lernen. Das gilt nicht nur in der Naturwissenschaft oder im Sport, sondern auch im Christsein.

Straffen
Nach dem Vergleichen kam das Straffen. Damit umschrieb er die Findung von letzten Prinzipien oder Glaubenswahrheiten. Letztlich musste ja seine Pädagogik mit dem katholischen Menschen-, Gemeinschafts- und Gottesbild vereinbar sein. Und er betonte, dass in den ersten Jahrhunderten des Christentums um das wahre Gottesbild gerungen wurde, im Mittelalter und in der Reformation um das Gemeinschafts- und Kirchenbild und in der Neuzeit um das Menschenbild. Dort hat er die meisten Häresien beobachtet. Denken wir nur an den Nationalsozialismus und seine Theorie vom Übermenschen oder an den Sozialismus, der den einzelnen Menschen der Masse unterordnete und die Freiheit nicht ernst nahm.

Gabe der Unterscheidung der Geister
Auf diesem Hintergrund wird auch verständlich, dass er relativ früh in einem Gespräch mit Kardinal von Galen, als dieser noch daran dachte, den vitalen aufkommenden Nationalsozialismus taufen zu können, meinte: „Ich wüsste keine Stelle, an der das Taufwasser auftreffen könnte.“ Diese Gabe der Unterscheidung der Geister ist einerseits ein gnadenhaftes Geschenk, andererseits aber auch das Ergebnis eines intensiven Studiums. 1960 schreibt er rückblickend auf seine Seelsorgstätigkeit (über sich in der 3.Person):
„Kaum hatten sich ihm jedoch Türen und Fenster nach draußen geöffnet, da kamen von allen Seiten Patienten zu ihm. Es waren Laien und Priester. So geschah es bereits am Anfang der zwanziger Jahre... Das war nicht selten eine saure Arbeit. Viel leichter wäre es gewesen, die Finger davon zu lassen und sich mit allgemeinen frommen Sprüchen aus der Situation herauszuhalten, wie es viele Priester zu tun pflegen. So handelt aber nicht der Gute Hirt, der sein Leben für seine Schafe gibt. Er tut alles - auch wenn es ihn viel Studium, viel Nervenkraft und Zeit kostet -, um sie vor Schaden zu bewahren und ihnen die volle innere Freiheit der Kinder Gottes, soweit das möglich ist, zurückzugeben.

Weil wir von unserer Seite vielfach nicht einmal fähig und bereit sind, die alten, bewährten Moralgrundsätze und Pastoralregeln mutig, erleuchtet und klug anzuwenden, haben sich in der Folgezeit - wie überall mit Bedauern festgestellt wird - die Sprechzimmer der Psychotherapeuten gefüllt, während unsere Beichtstühle mehr und mehr leer werden. Der zeiten- und seelenkundige Seelsorger weiß um die tiefgehende und allseitige moderne Lebenskrise und um deren praktische Auswirkungen in seiner Gefolgschaft. Er hat den Mut und bringt die Kühnheit auf, sich damit auseinanderzusetzen, Heilmittel zu suchen und vorsichtig und umsichtig anzuwenden.“

Pater Elmar BussePater Elmar Busse ist Schönstatt Pater und seit vielen Jahren in der Jugend- und Familienseelsorge tätig.

Sherlok Holmes

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Pfingsten 2010 findet der 3. Europäische Familienkongress in Schönstatt statt.

Pater Elmar Busse stimmt mit einer Artikel-Serie schon jetzt auf das sperrig klingende Thema - der Schönstättische Bindungsorganismus - ein. ACHTUNG: leider keine langatmig-theoretische Abhandlung, sondern bloß sensationell ansteckend und mitreißend geschrieben... Eye-wink

In diesem Artikel: "Beobachten - Vergleichen - Straffen - Anwenden"
Teil 1 - Beobachten oder Sherlok Holmes - ein guter Beobachter

Wenn über Pfingsten Vertreter der Familienbewegung aus den Ländern Europas zusammenkommen, dann wollen sie auch vertrauter werden mit der Methodik Pater Kentenichs, die er selber in dem Viererschritt zusammengefasst hat: Beobachten, vergleichen, straffen, anwenden. Dazu die folgende Einstimmung - Teil 1 - Beobachten.

Sherlok Holmes – ein guter Beobachter
Conan Doyle beschreibt in seinem Sherlock Holmes Roman „Ein Skandal in Böhmen“ folgende Szene: Mr. Watson besucht nach langer Zeit der Trennung wieder einmal seinen alten Freund Holmes. Dabei bemerkt Holmes:„Woher weiß ich wohl, dass Sie vor kurzem sehr nass geworden sind und dass Sie ein äußerst ungeschicktes und achtloses Dienstmädchen haben?“
„Mein lieber Holmes“, sagte ich, „das ist zu viel. Wenn Sie ein paar Jahrhunderte früher gelebt hätten, wären Sie mit Sicherheit auf den Scheiterhaufen gekommen. Es stimmt, dass ich am Donnerstag einen Spaziergang auf dem Land gemacht habe und fürchterlich durchweicht nachhause gekommen bin, aber da ich mich inzwischen umgezogen habe, kann ich mir nicht vorstellen, wie Sie das folgern. Was Mary Jane angeht, ist sie einfach unverbesserlich und meine Frau hat ihr mittlerweile gekündigt, aber auch hier verstehe ich nicht, wie Sie darauf kommen.“
Er kicherte vor sich hin und rieb sich seine schmalen nervösen Hände.
„Nichts einfacher als das“, sagte er, „meine Augen verraten mir, dass das Leder an der Innenseite Ihres linken Schuhs - genau dort, wo das Kaminfeuer darauf scheint - sechs beinahe parallele Kratzer aufweist. Offensichtlich wurden sie von jemandem verursacht, der mit sehr wenig Sorgfalt verkrusteten Schmutz von den Kanten der Sohle gekratzt hat. Daher meine doppelte Folgerung, dass Sie bei scheußlichem Wetter unterwegs gewesen sind, und dass Sie mit einer besonders üblen stiefelzerkratzenden Vertreterin des Londoner Domestiken-Standes [Hauswirtschaftspersonal] geschlagen sind.“
Ich musste einfach lachen über die Leichtigkeit, mit der er seine Schlussfolgerungen erklärte. „Wenn ich höre, wie Sie alles begründen“, bemerkte ich, „kommt mir das Ganze immer so lächerlich simpel vor, als hätte ich es leicht selbst tun können, aber bei jeder neuen Kombination von Ihnen bin ich aufs Neue verblüfft, bis Sie ihren Gedankengang erläutern. Und doch glaube ich, dass meine Augen genauso gut sind wie Ihre.“

Sie sehen, aber Sie beobachten nicht.

„Da haben Sie auch recht“, antwortete er, zündete sich eine Zigarette an und ließ sich in einen Sessel fallen. Nur, Sie sehen, aber Sie beobachten nicht. Das ist der große Unterschied. Zum Beispiel haben Sie doch häufig die Treppe gesehen, die vom Hausflur zu diesem Zimmer hier herauf führt.“
„Häufig.“ „Wie oft?“
„Nun, einige hundertmal.“ – „Wie viele Stufen hat sie dann?“ - „Wie viele? Das weiß ich nicht.“
„Allerdings! Sie haben nicht beobachtet, und doch haben Sie gesehen. Genau das ist der Punkt.
Ich dagegen weiß, dass es 17 Stufen sind, weil ich sowohl gesehen als auch beobachtet habe.“ ….
Sir Arthur Conan Doyle hatte mit seinem Sherlock Holmes wohl die berühmteste Detektiv-Figur geschaffen. Obwohl er selber gar nicht so rational eingestellt war wie sein Titelheld, und am Ende seines Lebens in spiritistische und okkulte Praktiken abdriftete, so faszinieren doch immer wieder seine scharfsichtigen Analysen, die er seinen Detektiv anstellen lässt. Doyle starb am 7. Juli 1930 an einer Herzkrankheit.

Kentenich – vertraut mit der Seele, vertraut mit der Zeit

Dieser kleine Ausflug in die Krimi-Literatur soll uns helfen, den Gründer Schönstatts besser zu verstehen. In Dachau sagte er zu seinem Mithäftling Pater Fischer: „Falls ich hier nicht lebend herauskomme und ihr nach dem Krieg Schönstatt neu gründen müsst, dann denk daran: Das Neuartige und Wichtigste unserer Spiritualität sind die Zeitenstimmen und die Tiefenseele.“

Was heißt aber ‚Zeitenstimmen beobachten’?

Pater Kentenich konnte ja noch nicht auf soziologische Untersuchungen zurückgreifen. Die Soziologie steckt damals noch in den Kinderschuhen. Was er dem Mainzer Schönstatt-Priester Werner Krimm einmal geraten hatte, das praktizierte er selber: „Sie sollten mehr in den Seelen studieren als in den Büchern!“ Wenn also Pater Kentenich als Seelsorger tätig war, dann schwang im Hintergrund für ihn immer die Frage mit: Was will mir der liebe Gott dadurch sagen, dass er mir diesen Menschen mit diesem Problem und dieser Fragestellung über den Weg schickt? Während Rechtsanwälte und Richter die allgemeinen erlassenen Gesetze auf einen Fall anwenden und konkretisieren – also in einem geschlossenen System denken und urteilen, stellen Naturwissenschaftler eine Hypothese auf und versuchen, die Theorie durch Experimente zu beweisen. Naturwissenschaftler denken also in einem offenen Horizont. Und naturwissenschaftliche Theorien lassen sich durch Experimente bestätigen oder widerlegen.

Naturwissenschaflter? Jurist? Detektiv!

Die Zeitenstimmenanalyse eines J. Kentenich lässt sich weder den juristischen Praktiken (=Deduktion) noch der naturwissenschaftlichen Vorgehensweise (=Induktion) zuordnen. Sie gleicht eher der Tätigkeit eines Detektivs, der eine konkrete Beobachtung in den Erfahrungsschatz einzusortieren versucht und dann zu Schlussfolgerungen kommt. Diese Schlussfolgerungen haben aber erst den Charakter eines Verdachts, werden durch Indizien erhärtet und im günstigsten Fall durch das Geständnis des Täters bestätigt. Ein guter Detektiv zeichnet sich durch präzise Beobachtung, einen scharfsinnigen analytischen Verstand und durch intuitive Gabe aus. Alle diese drei Eigenschaften können natürlich unterschiedlich entwickelt sein. Aus diesem Vergleich mit dem Detektiv können wir besser verstehen, worin die Genialität und die Neuartigkeit der Seelsorge eines Josef Kentenich bestanden. Und sie erklärt uns auch teilweise die Fruchtbarkeit seines Wirkens – auch wenn wir uns nur bedingt dem Gnadenhaft-Geheimnisvollen seiner Berufung annähern können.

Gott und die Seelen - und der Rest ist Nebensache

1962 schreibt er über sich in der dritten Person: „Sein ganzes Leben hindurch schwebte ihm ein einziges großes Ideal vor Augen. Gott und die Seelen. Alles andere war für ihn Nebensache. Es wurde zielstrebig dieser einen großen Lebensidee ein- und untergeordnet. Es ging ihm immerdar darum, die Seele für Gott zu öffnen und sie mit ihm unzertrennlich in Verbindung zu bringen. Das verlangte aber unabdinglich dafür zu sorgen, dass die Seele womöglich bis in die letzten Tiefen für Gott und Göttliches geöffnet würde und geöffnet blieb. Darauf legte er vom ersten Augenblick seiner Erziehertätigkeit gebührend Gewicht. Es geschah also mehr als ein Jahrzehnt vor der Zeit, als langsam die Öffentlichkeit anfing, sich damit zu beschäftigen. Seit 1919 weitete die göttliche Vorsehung seinen Arbeits- und Einflusskreis. Das geschah von da ab Jahr um Jahr in wachsendem Maße. So kam es, da sich ungezählt viele Seelen aus allen Ständen und Klassen aus allen Altern und Geschlechtern ihm weit öffneten.“

Pater Elmar BussePater Elmar Busse ist Schönstatt Pater und seit vielen Jahren in der Jugend- und Familienseelsorge tätig.

Artikelserie - 3. Europäischer Familienkongress in Schönstatt

Kurzfassung: 

Der Pferdeflüsterer. Flugzeugcrash - und danach allein in der Wildnis. Gangs in New York. Das ganze klingt nach einer Artikelserie von Pater Busse, der uns auf den 3. Europäischen Familienkongress in Schönstatt einstimmen möchte. Na dann - viel Freude mit diesem neuen Lifestyle! Ab sofort & immer wieder unter Lifestyle - Partnerschaft & Familie.

Der Pferdeflüsterer

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Pfingsten 2010 findet der 3. Europäische Familienkongress in Schönstatt statt.

Pater Elmar Busse stimmt mit einer Artikel-Serie schon jetzt auf das sperrig klingende Thema - der Schönstättische Bindungsorganismus - ein. ACHTUNG: leider keine langatmig-theoretische Abhandlung, sondern bloß sensationell ansteckend und mitreißend geschrieben... Eye-wink

In diesem Artikel: "Mit dir in Liebe verbunden"

Als 1998 der Film "Der Pferdeflüsterer" in die Kinos kam, wurde er schnell zum Kassenschlager. Der Schauspieler und Regisseur Robert Redford als der Pferdeflüsterer Tom Booker trug viel dazu bei, dass aus der gleichnamigen Romanvorlage des Engländers Nicholas Evans von 1995 ein Film wurde, der die Herzen bewegte.

Die Geschichte

Die Geschichte: Die 13jährige Grace Graves erleidet einen tragischen Reitunfall. Ihre Freundin und deren Pferd sind bei dem Zusammenstoß mit einem Truck auf schneeglatter Fahrbahn sofort tot. Grace verliert einen Unterschenkel, und ihr Pferd Pilgrim ist so traumatisiert, dass es keinen Menschen mehr an sich heran lässt. Graces Mutter Anni, eine erfolgreiche Journalistin, sowie ihr Vater, der eine gut gehende Anwaltspraxis leitet, suchen nach Wegen, wie ihre Tochter, die sich hinter einer Mauer von Wut, Trauer und Schuldgefühlen verbarrikadiert hat, wieder zurück ins Leben findet. Beide Eltern repräsentieren die erfolgreichen Machertypen von New York. Annie findet schließlich die Adresse eines so genannten „Pferdeflüsterers“ im Westen der USA, der zunächst bei einer Reise in den Osten das Tier besichtigt, dann aber die Behandlung ablehnt. Die Mutter, engagiert und erfolgsgewohnt, kann sich mit dieser Ohnmachtserfahrung nicht abfinden und fährt mit ihrer gehbehinderten Tochter und dem traumatisierten Pferd die tausenden Meilen zur Ranch von Tom Booker. Auf der langen Fahrt kommt es zwischen Tochter und Mutter zum Konflikt – genau am Nationaldenkmal der Schlacht am Little Bighorn, wo die Indianer die Truppen von George Armstrong Custer im Juni 1876 besiegt hatten. Die Tochter schreit ihre Mutter an: "Du entscheidest! Machst du immer! Du tust doch nur so, als wenn dir das wichtig wäre, was andere Menschen wollen, dabei kümmert dich das einen Dreck."

Schock

Schockiert über den Wutausbruch ihrer Tochter verlässt Annie das Auto und rennt in die Abenddämmerung. An diesem Ort so großen Leids kann sie endlich auch ihren Tränen freien Lauf lassen. Sie blickt auf ihr Leben und bemerkt bitter, dass sie Ihr Leben lang dort gelebt hatte, wo sie nicht hingehörte, Amerika war nicht ihre Heimat, England aber auch nicht mehr, wenn sie jetzt dorthin zurückkehrte. In jedem Land behandelte man sie, als käme sie aus dem jeweils anderen. In Wahrheit kam sie nirgendwo her. Sie besaß kein Zuhause. Nicht mehr, seit ihr Vater gestorben war. Sie trieb ziellos dahin, sippenlos, wurzellos. Einst hatte sie das für eine große Kraft gehalten. Sie besaß die Fähigkeit, sich einzubringen. Sie konnte sich umstandslos anpassen, sich in jede Gruppe einschmeicheln, sich jeder Lage fügen, mit jeder Kultur verschmelzen. Sie wusste instinktiv, was von ihr erwartet wurde, wen man kennen und was man tun musste, wenn man gewinnen wollte. Und in ihrer Arbeit, der sie so lange verfallen gewesen war, hatte ihr dieses Talent geholfen, alles zu gewinnen, was sich zu gewinnen lohnte. Doch seit Graces Unfall schien ihr das Erreichte wertlos… Da sie jeden Zugang zu sich selbst verloren hatte, besaß sie auch keinen Zugang mehr zu ihrem Kind, und deshalb litt sie unter Schuldgefühlen. Aktivität war für sie zum Ersatz für Emotionen geworden.“[ ]

Ganz anderer Lebensstil

Der Pferdeflüsterer steht für einen ganz anderen Lebensstil. Bodenständig und naturverbunden ist er nicht der Machertyp, sondern er versucht mittels seiner guten Beobachtungsgabe, seiner Sensibilität und psychologischen Begabung, sich in die traumatisierten Pferde einzufühlen. Für Tom Booker ist es gar nicht so leicht, der Mutter verständlich zu machen, worauf es ankommt. In einem der ersten Gespräche erklärt er: "Im Augenblick wollen wir versuchen, ihm wieder beizubringen, was es heißt, ein Pferd zu sein. Die anderen Pferde wissen das schon. Sie verhalten sich wie Pferde in freier Wildbahn, nämlich wie Herdentiere. Haben sie ein Problem, dann halten sie zusammen. Aber Pilgrim hat das komplett vergessen. Er glaubt, keinen einzigen Freund mehr auf der Welt zu haben. Dabei möchte er gerne Freunde finden, er weiß nur nicht mehr, wie das geht."[ ] Im weiteren Verlauf des Romans gelingt es Tom Booker, sowohl das Vertrauen von Pilgrim wie von Grace zu gewinnen. Geduld, Zähigkeit und Einfühlungsvermögen haben diese Heilungsprozesse möglich werden lassen, die für die Stadtmenschen fast an Zauberei grenzen. Am Ende des Romans ist aus der verschlossenen und wuterfüllten Grace ein selbstbewusstes kontaktfreudiges Mädchen geworden, das trotz ihrer Behinderung wieder reiten kann – sogar auf ihrem ebenfalls geheilten Unfallpferd Pilgrim.

Was zählt wirklich?

Wenn zu Pfingsten 2010 ca. 90 Familien aus 17 europäischen Ländern nach Schönstatt kommen, dann soll es genau um die Fragen gehen, die in dem Roman bzw. Film prototypisch aufgezeigt werden. Wie findet der moderne Mensch, der geprägt und oftmals auch getrieben ist von einer sich als notwendig präsentierenden Mobilität, von dem Leistungsdruck und einem oft mörderischen Konkurrenzdenken, wieder zu sich selbst? Was ist das, was wirklich zählt im Leben?

Was Menschen heute umtreibt, sind Beziehungsprobleme. Angespannte und zerbrochene Beziehungen in Familien hinterlassen seelische Wunden. Angst vor neuen Verletzungen und die Unfähigkeit, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen, treiben in die Einsamkeit. Seelische Nähe schenken und annehmen zu können, fällt vielen schwer.

Pater Josef Kentenich, im Waisenhaus groß geworden, war aus eigenem Erleben sensibilisiert für diese modernen Formen der Armut. Sein eigener Heilungs- und Reifungsweg wurde für viele, die ihm begegneten, zum Weg aus der Beziehungsarmut in den Beziehungsreichtum

Der dritte Europäische Ehe- und Familienkongress in Schönstatt möchte diesen Weg Pater Kentenichs und die vielfältigen Initiativen, diese Not heute zu beheben, vorstellen, und einen europäischen Erfahrungsaustausch ermöglichen. Der bevorzugte Ort seines Ansatzes ist die Familie.

Die Kongresstage kreisen schwerpunktmäßig um die Themen:

  • Wie können wir stabile Beziehungen aufbauen?
  • Wie können wir selber Bindungserfahrungen machen und unseren Kindern vermitteln?

Themenschwerpunkte für die drei Kongresstage:

  • Wissen, wo ich zu Hause bin - Lokale Bindungen
  • Wissen, für wen es mich gibt- Personale Bindungen
  • Wissen, woran ich mich orientieren kann - Ideenmäßige Bindungen

Pater Elmar BussePater Elmar Busse ist Schönstatt Pater und seit vielen Jahren in der Jugend- und Familienseelsorge tätig.

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