
Pfingsten 2010 findet der 3. Europäische Familienkongress in Schönstatt statt.
Pater Elmar Busse stimmt mit einer Artikel-Serie auf das sperrig klingende Thema - der Schönstättische Bindungsorganismus - ein. ACHTUNG: leider keine langatmig-theoretische Abhandlung, sondern bloß sensationell ansteckend und mitreißend geschrieben...
In diesem Artikel: "Beobachten - Vergleichen - Straffen - Anwenden"
Teil 3 - Straffen oder Ein Gang durch die Buchhandlungen
Ein Gang durch die Buchhandlungen
Als ich neulich einmal wieder durch eine Buchhandlung ging und mir Neuerscheinungen und Bestseller anschaute, fiel mir auf, dass in den letzten Monaten viele Bücher herausgegeben worden waren, die das Wort „Prinzip“ im Titel führen. „Das Moses Prinzip“, „Das Leuchtturm-Prinzip“, „Das Pinguin-Prinzip“ „Das AKLV- Prinzip“, „Das a3-Prinzip“, „Das moderne Artus-Prinzip“. Warum feiert das Wort Prinzip zurzeit eine solche Renaissance?
In einer Zeit, die vom Neuen, vom Anderen fasziniert war, in einer Zeit, in der Anarchie attraktiv war, waren Prinzipien oft gleichbedeutend mit Erstarrung, Verknöcherung, mit Alt – und deshalb abzulehnen. Das alles sollte über Bord geworfen werden. Doch diese Neuerscheinungen weisen uns auf einen geistig-seelischen Klimawandel hin. Prinzipien sind wieder attraktiv. Schauen wir einmal in die Vorworte dieser Bücher, in denen die Autoren die Wahl ihres Titels begründen:
Ein Beispiel für viele
Patrick Wenke schreibt: Der Kauf eines Teppich machte mich auf das „a3-Prinzip“ aufmerksam!
Da war er, der Teppich. Hunderte von kleinen schwarzen, unscheinbaren und finster blickenden Fischen schwammen nach rechts und ein knallig bunter, lebensfroher Fisch schwamm entgegengesetzt. Mein erster Gedanke: „Mein Lebensmotto“, denn sämtliche Erfolge verdanke ich der Tatsache, immer etwas anders gemacht zu haben als Andere. So fasste ich den Entschluss, ein Buch über das Erfolgsprinzip „Anders als Andere“ also das „a3-Prinzip“ zu schreiben.
Josef Bechter und Franz Lattner habe als Erfolgskriterien für Beruf und Privatleben die sechs Faktoren Achtung – Klarheit - Liebe & Leistung – Vertrauen & Verantwortung Das AKLV-Prinzip entwickelt. Und sie versprechen: Unser Buch „ist den vielen Millionen Menschen gewidmet, die auf einer realistischen Basis privat und beruflich erfolgreich sein wollen, die auf der Suche nach einem lebenswerten Leben sind, und nach einer positiven, glücklichen Zukunft streben, die nach richtigen Entscheidungen suchen, Zufriedenheit, Harmonie, Glück und Erfolg als festen Bestandteil in ihr Leben integrieren wollen. Und der bekannte Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski schreibt in seinem „Das Moses-Prinzip“: Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der die Jugend mit einer mangelhaften Sozial- und Werteorientierung aufwächst: ratlos, rastlos und am Ende bindungslos. Erziehung und Bildung in Elternhaus und Schule müssen sich wieder ihrer Verantwortung stellen und sich Gedanken darüber machen, wie die soziale Beliebigkeit des modernen Lebens ausgemerzt werden kann. Opaschowski formuliert „Die Zehn Gebote des 21. Jahrhunderts“. Das Moses-Prinzip zeigt, wie Menschen verantwortlich miteinander umgehen und das Leben kommender Generationen lebenswert erhalten können.
Prinzipien als Orientierungshilfe
In all diesen Büchern geht man aus von der neuen Unübersichtlichkeit des Lebens, von den rasanten Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Da sind es Prinzipien, die einem wieder Orientierung und Klarheit schenken können. Es wird in unserer Gesellschaft etwas wieder entdeckt, was der Gründer der Schönstatt-Bewegung 1912 als wichtig eingestuft hatte: In seinem Vortrag vom 27.Oktober 1912 sagt er seinen Schülern: Als Priester müssen wir nun einmal einen tiefen, nachhaltigen Einfluß ausüben auf unsere Umgebung. Und das tun wir im letzten Grunde nicht durch den Glanz unseres Wissens, sondern durch die Kraft, durch den inneren Reichtum unserer Persönlichkeit. Wir müssen lernen uns selbst zu erziehen. Uns müssen wir erziehen; uns mit allen Fähigkeiten. Welche Fähigkeiten das sind, werden wir später sehen. Wir müssen uns erziehen zu festen Charakteren. Die Kinderschuhe haben wir längst ausgezogen. Damals haben wir uns in unseren Handlungen leiten lassen von Laune und Stimmung. Jetzt aber müssen wir handeln lernen nach festen, klar erkannten Grundsätzen. Alles in uns mag wanken. Es kommen gewiß Zeiten, wo alles in uns wankt. Da können uns die religiösen Übungen nicht mehr helfen.
Nur eines kann uns helfen: Das sind unsere Grundsätze.
Wir müssen feste Charaktere sein.“ Und zwei Jahre später sagt er zu den Jungen: „Wohl mögen während der Ferien unter dem Rauch und Staub des Alltags manche Ideale abgebröckelt sein, wohl mag da mancher Grundsatz, den wir im Laufe des Jahres gefasst und für unabänderlich hielten, die Probe auf das praktische Leben nicht bestanden haben. Aber eines ist uns geblieben - dessen bin ich sicher: Es ist die Überzeugung, dass ein echter Sodale und wahre standesgemäße sittlich-religiöse Größe voneinander unzertrennbar sind. Und wie am Schlusse vorigen Schuljahres, so beseelt auch heute uns der Wille zum Siege, zur Erreichung unseres Kongregationsideals. Nein, meine lieben Sodalen, ich habe nicht das Vertrauen zu Ihnen verloren.“
Gottes Umgangsstil mit uns Menschen kennt Konstanten.
Für Pater Kentenich gehörten Prinzipien / Grundsätze zu einer starken und reifen Persönlichkeit. Und er fragte auch immer wieder: Hat Gott im Umgangsstil mit uns Menschen bestimmte Prinzipien? Den Vorgang, aus der Vielzahl der Lebensbeobachtungen über das Vergleichen zu Prinzipien vorzudringen, den nannte er „straffen“. Issac Newton beobachtete einen Apfel, der vom Baum fiel, er staunte über diese Selbstverständlichkeit und entdeckte das Gravitationsgesetz.
Was hat das Immaculat-Dogma mit uns Menschen zu tun?
Pater Kentenich staunte darüber, wie die Gottesmutter ihm in seinen seelischen Nöten geholfen hatte, er konnte im Leben des Studenten Franz von Sales eine ähnliche Krise und ebenfalls die Lösung durch die Gottesmutter beobachten, er verglich also, und fragte dann: Ist das nur zufällig, oder steckt dahinter ein Prinzip? Und er entdeckte, dass Maria als die Immaculata, als die Frau ohne Erbsünde, ein Mensch mit erlösten Beziehungen ist. Sie als die Vor- und Vollerlöste hatte eine gute Beziehung zu sich selbst, zu Gott und zu ihren Mitmenschen. Sie konnte und kann Nähe anbieten, Liebe schenken, ohne dem Menschen die Freiheit zu rauben. Was er an sich und an den ihm anvertrauten Jungen beobachtet hatte, dass nämlich die Gottesmutter eine ideale Erzieherin ist – die Begründung dafür fand er in dem Immaculata-Dogma. Das war echtes Neuland, denn vielfach wurde das Immaculata-Dogma als notwendig für die Menschwerdung des Gottessohnes angesehen. Pater Kentenich entdeckt die anthropolgische Dimension [also, was das mit uns Menschen zu tun hat] des Immaculata-Dogmas und er wendet es konsequent an. Er baut eine ganze Spiritualität darauf auf. Aber auch seine späteren Forschungen zum Weltgrundgesetz der Liebe, dass also der letzte Beweggrund für Gott die Liebe ist und dass er alles aus, für und durch Liebe tut, verdankt Kentenich seiner Fähigkeit zum Straffen. Auch seine Beobachtungen über das Zueinander von Gott und Mensch verdichtet er in Prinzipien. Ich möchte sie hier nur nennen, aber nicht erklären: Übertragung, Weiterleitung.
Wir können also beobachten, dass die Zeit uns entgegenkommt: Die Anliegen eines Josef Kentenichs, seine Beobachtungen, seine Art, Prinzipien zu finden, zu haben und anzuwenden, stoßen inzwischen auf eine Mentalität, die ganz offen dafür ist. Probieren Sie es selber aus und wagen Sie einen Schritt mit Kentenich auf Ihre Mitmenschen zu!
Pater Elmar Busse ist Schönstatt Pater und seit vielen Jahren in der Jugend- und Familienseelsorge tätig.
Pfingsten 2010 findet der 3. Europäische Familienkongress in Schönstatt statt.
Pater Elmar Busse stimmt mit einer Artikel-Serie auf das sperrig klingende Thema - der Schönstättische Bindungsorganismus - ein. ACHTUNG: leider keine langatmig-theoretische Abhandlung, sondern bloß sensationell ansteckend und mitreißend geschrieben...
In diesem Artikel: "Beobachten - Vergleichen - Straffen - Anwenden"
Teil 2 - Vergleichen oder Archäometrie - eine ganz neue Wissenschaft
Archäometrie – eine ganz neue Wissenschaft
Im Frühjahr 2006 wurde in Mannheim das Curt Engelhorn Zentrum für Archäometrie eröffnet. „Archäometrie“ bedeutet mit modernsten wissenschaftlichen Methoden Gegenstände aus Metall zu untersuchen. Denn auf dem Antiquitätenmarkt tummeln sich nicht nur Sammler sondern auch Ganoven. Schließlich ist mit alter Kunst viel Geld zu verdienen. Doch wie soll man eine angeblich 1000 Jahre alte Goldmaske aus Peru auf ihre Echtheit hin untersuchen? Wie kann man Fälschungen entlarven? Ernst Pernicka, Inhaber des einzigen deutschen Lehrstuhls für Archäometrie, berichtete, dass 80% der Objekte aus einer Westafrikasammlung, die ein seriöser Sammler der Universität Bochum stiften wollte, Fälschungen waren. Der Sammler war geschockt.
Ein chemischer Fingerabdruck
Moderne Edelmetalle sind in verschiedenen Verfahrensstufen gereinigt. Antike Metalle enthalten stets Spurenelemente. Deren unterschiedliche Zusammensetzung je nach Herstellungsort ist so etwas wie ein chemischer Fingerabdruck. Ein weiteres Prüfungsverfahren beruht auf der Tatsache, dass fast alle Metalle Blei enthalten. Blei besteht aus einer Mischung von 4 Isotopen (=Atome mit unterschiedlichem Atom-Gewicht). Die Mischung dieser Isotope ist für verschiedene Lagerstätten charakteristisch. So konnte man in einer angeblich altindischen Bronzestatue Kupfer aus den Rocky Mountains nachweisen. Unter dem Mikroskop kann man auch die unterschiedlichen Fertigungsverfahren erkennen: Wurde ein Blech antik gehämmert oder modern gewalzt? Ist der Golddraht aus einem Blechstreifen geschnitten oder kalt gezogen durch die konische Bohrung in einem Diamanten, dem so genannten Ziehstein? Viele von den heute in Mannheim angewendeten Verfahren waren schon länger bekannt. Aber erst als im Rahmen des Apollo-Raumfahrtprogramms das Max-Planck-Institut für Kernphysik beauftragt wurde, Mondproben zu untersuchen, hat man die verschiedensten Analyseverfahren und die dazu notwendigen teuren Geräte in einem Institut zusammengefasst und entsprechende Fachleute ausgebildet. Winzige Mengen Material reichen für die jeweiligen Untersuchungsmethoden. So bleibt das antike Kunstwerk – so es wirklich eines ist – erhalten.
Dieser kleine Ausflug nach Mannheim kann uns verdeutlichen, wie hilfreich es ist, vergleichen zu können und so Fälschungen von echten Kunstwerken unterscheiden zu können.
Vergleichen können setzt einen weiten Horizont voraus
In der Pädagogik Pater Kentenichs spielt das Vergleichen auch eine wichtige Rolle. Beobachten – Vergleichen – Straffen – Anwenden. Immer wieder kommt er auf diesen methodischen Viererschritt zu sprechen, wenn er seine eigene Praxis erklärt und weitergibt. Wenn sich in der Seele etwas verändert – ist das nun ein gutes Zeichen oder ein schlechtes? Bedeutet dies Wachstum, Wucherung oder Zerfall?
„In gute Gesellschaft begeben“
Aufgrund des intensiven Studiums vieler Heiligenbiographien und aufgrund der Reflexion der eigenen seelischen Entwicklung stand Pater Kentenich ein reicher Fundus an Vergleichsmaterial zur Verfügung, um die Beobachtungen, die er angestellt hatte, auch richtig deuten zu können. Wenn sich einer seiner Schützlinge „in guter Gesellschaft“ befand – damit meine ich jetzt nicht seine unmittelbaren Freunde oder Kameraden, sondern wenn es in der Biographie eines späteren Seligen oder Heiligen ähnliche Entwicklungsschritte gab – dann hatte Pater Kentenich ein gutes Gefühl. Immer wieder regte er an, sich in diese gute Gesellschaft zu begeben und Heiligenbiographien zu lesen. Am meisten kann man von den Besten lernen. Das gilt nicht nur in der Naturwissenschaft oder im Sport, sondern auch im Christsein.
Straffen
Nach dem Vergleichen kam das Straffen. Damit umschrieb er die Findung von letzten Prinzipien oder Glaubenswahrheiten. Letztlich musste ja seine Pädagogik mit dem katholischen Menschen-, Gemeinschafts- und Gottesbild vereinbar sein. Und er betonte, dass in den ersten Jahrhunderten des Christentums um das wahre Gottesbild gerungen wurde, im Mittelalter und in der Reformation um das Gemeinschafts- und Kirchenbild und in der Neuzeit um das Menschenbild. Dort hat er die meisten Häresien beobachtet. Denken wir nur an den Nationalsozialismus und seine Theorie vom Übermenschen oder an den Sozialismus, der den einzelnen Menschen der Masse unterordnete und die Freiheit nicht ernst nahm.
Gabe der Unterscheidung der Geister
Auf diesem Hintergrund wird auch verständlich, dass er relativ früh in einem Gespräch mit Kardinal von Galen, als dieser noch daran dachte, den vitalen aufkommenden Nationalsozialismus taufen zu können, meinte: „Ich wüsste keine Stelle, an der das Taufwasser auftreffen könnte.“ Diese Gabe der Unterscheidung der Geister ist einerseits ein gnadenhaftes Geschenk, andererseits aber auch das Ergebnis eines intensiven Studiums. 1960 schreibt er rückblickend auf seine Seelsorgstätigkeit (über sich in der 3.Person):
„Kaum hatten sich ihm jedoch Türen und Fenster nach draußen geöffnet, da kamen von allen Seiten Patienten zu ihm. Es waren Laien und Priester. So geschah es bereits am Anfang der zwanziger Jahre... Das war nicht selten eine saure Arbeit. Viel leichter wäre es gewesen, die Finger davon zu lassen und sich mit allgemeinen frommen Sprüchen aus der Situation herauszuhalten, wie es viele Priester zu tun pflegen. So handelt aber nicht der Gute Hirt, der sein Leben für seine Schafe gibt. Er tut alles - auch wenn es ihn viel Studium, viel Nervenkraft und Zeit kostet -, um sie vor Schaden zu bewahren und ihnen die volle innere Freiheit der Kinder Gottes, soweit das möglich ist, zurückzugeben.
Weil wir von unserer Seite vielfach nicht einmal fähig und bereit sind, die alten, bewährten Moralgrundsätze und Pastoralregeln mutig, erleuchtet und klug anzuwenden, haben sich in der Folgezeit - wie überall mit Bedauern festgestellt wird - die Sprechzimmer der Psychotherapeuten gefüllt, während unsere Beichtstühle mehr und mehr leer werden. Der zeiten- und seelenkundige Seelsorger weiß um die tiefgehende und allseitige moderne Lebenskrise und um deren praktische Auswirkungen in seiner Gefolgschaft. Er hat den Mut und bringt die Kühnheit auf, sich damit auseinanderzusetzen, Heilmittel zu suchen und vorsichtig und umsichtig anzuwenden.“
Pater Elmar Busse ist Schönstatt Pater und seit vielen Jahren in der Jugend- und Familienseelsorge tätig.
Pfingsten 2010 findet der 3. Europäische Familienkongress in Schönstatt statt.
Pater Elmar Busse stimmt mit einer Artikel-Serie schon jetzt auf das sperrig klingende Thema - der Schönstättische Bindungsorganismus - ein. ACHTUNG: leider keine langatmig-theoretische Abhandlung, sondern bloß sensationell ansteckend und mitreißend geschrieben...
In diesem Artikel: "Beobachten - Vergleichen - Straffen - Anwenden"
Teil 1 - Beobachten oder Sherlok Holmes - ein guter Beobachter
Wenn über Pfingsten Vertreter der Familienbewegung aus den Ländern Europas zusammenkommen, dann wollen sie auch vertrauter werden mit der Methodik Pater Kentenichs, die er selber in dem Viererschritt zusammengefasst hat: Beobachten, vergleichen, straffen, anwenden. Dazu die folgende Einstimmung - Teil 1 - Beobachten.
Sherlok Holmes – ein guter Beobachter
Conan Doyle beschreibt in seinem Sherlock Holmes Roman „Ein Skandal in Böhmen“ folgende Szene: Mr. Watson besucht nach langer Zeit der Trennung wieder einmal seinen alten Freund Holmes. Dabei bemerkt Holmes:„Woher weiß ich wohl, dass Sie vor kurzem sehr nass geworden sind und dass Sie ein äußerst ungeschicktes und achtloses Dienstmädchen haben?“
„Mein lieber Holmes“, sagte ich, „das ist zu viel. Wenn Sie ein paar Jahrhunderte früher gelebt hätten, wären Sie mit Sicherheit auf den Scheiterhaufen gekommen. Es stimmt, dass ich am Donnerstag einen Spaziergang auf dem Land gemacht habe und fürchterlich durchweicht nachhause gekommen bin, aber da ich mich inzwischen umgezogen habe, kann ich mir nicht vorstellen, wie Sie das folgern. Was Mary Jane angeht, ist sie einfach unverbesserlich und meine Frau hat ihr mittlerweile gekündigt, aber auch hier verstehe ich nicht, wie Sie darauf kommen.“
Er kicherte vor sich hin und rieb sich seine schmalen nervösen Hände.
„Nichts einfacher als das“, sagte er, „meine Augen verraten mir, dass das Leder an der Innenseite Ihres linken Schuhs - genau dort, wo das Kaminfeuer darauf scheint - sechs beinahe parallele Kratzer aufweist. Offensichtlich wurden sie von jemandem verursacht, der mit sehr wenig Sorgfalt verkrusteten Schmutz von den Kanten der Sohle gekratzt hat. Daher meine doppelte Folgerung, dass Sie bei scheußlichem Wetter unterwegs gewesen sind, und dass Sie mit einer besonders üblen stiefelzerkratzenden Vertreterin des Londoner Domestiken-Standes [Hauswirtschaftspersonal] geschlagen sind.“
Ich musste einfach lachen über die Leichtigkeit, mit der er seine Schlussfolgerungen erklärte. „Wenn ich höre, wie Sie alles begründen“, bemerkte ich, „kommt mir das Ganze immer so lächerlich simpel vor, als hätte ich es leicht selbst tun können, aber bei jeder neuen Kombination von Ihnen bin ich aufs Neue verblüfft, bis Sie ihren Gedankengang erläutern. Und doch glaube ich, dass meine Augen genauso gut sind wie Ihre.“
Sie sehen, aber Sie beobachten nicht.
„Da haben Sie auch recht“, antwortete er, zündete sich eine Zigarette an und ließ sich in einen Sessel fallen. Nur, Sie sehen, aber Sie beobachten nicht. Das ist der große Unterschied. Zum Beispiel haben Sie doch häufig die Treppe gesehen, die vom Hausflur zu diesem Zimmer hier herauf führt.“
„Häufig.“ „Wie oft?“
„Nun, einige hundertmal.“ – „Wie viele Stufen hat sie dann?“ - „Wie viele? Das weiß ich nicht.“
„Allerdings! Sie haben nicht beobachtet, und doch haben Sie gesehen. Genau das ist der Punkt.
Ich dagegen weiß, dass es 17 Stufen sind, weil ich sowohl gesehen als auch beobachtet habe.“ ….
Sir Arthur Conan Doyle hatte mit seinem Sherlock Holmes wohl die berühmteste Detektiv-Figur geschaffen. Obwohl er selber gar nicht so rational eingestellt war wie sein Titelheld, und am Ende seines Lebens in spiritistische und okkulte Praktiken abdriftete, so faszinieren doch immer wieder seine scharfsichtigen Analysen, die er seinen Detektiv anstellen lässt. Doyle starb am 7. Juli 1930 an einer Herzkrankheit.
Kentenich – vertraut mit der Seele, vertraut mit der Zeit
Dieser kleine Ausflug in die Krimi-Literatur soll uns helfen, den Gründer Schönstatts besser zu verstehen. In Dachau sagte er zu seinem Mithäftling Pater Fischer: „Falls ich hier nicht lebend herauskomme und ihr nach dem Krieg Schönstatt neu gründen müsst, dann denk daran: Das Neuartige und Wichtigste unserer Spiritualität sind die Zeitenstimmen und die Tiefenseele.“
Was heißt aber ‚Zeitenstimmen beobachten’?
Pater Kentenich konnte ja noch nicht auf soziologische Untersuchungen zurückgreifen. Die Soziologie steckt damals noch in den Kinderschuhen. Was er dem Mainzer Schönstatt-Priester Werner Krimm einmal geraten hatte, das praktizierte er selber: „Sie sollten mehr in den Seelen studieren als in den Büchern!“ Wenn also Pater Kentenich als Seelsorger tätig war, dann schwang im Hintergrund für ihn immer die Frage mit: Was will mir der liebe Gott dadurch sagen, dass er mir diesen Menschen mit diesem Problem und dieser Fragestellung über den Weg schickt? Während Rechtsanwälte und Richter die allgemeinen erlassenen Gesetze auf einen Fall anwenden und konkretisieren – also in einem geschlossenen System denken und urteilen, stellen Naturwissenschaftler eine Hypothese auf und versuchen, die Theorie durch Experimente zu beweisen. Naturwissenschaftler denken also in einem offenen Horizont. Und naturwissenschaftliche Theorien lassen sich durch Experimente bestätigen oder widerlegen.
Naturwissenschaflter? Jurist? Detektiv!
Die Zeitenstimmenanalyse eines J. Kentenich lässt sich weder den juristischen Praktiken (=Deduktion) noch der naturwissenschaftlichen Vorgehensweise (=Induktion) zuordnen. Sie gleicht eher der Tätigkeit eines Detektivs, der eine konkrete Beobachtung in den Erfahrungsschatz einzusortieren versucht und dann zu Schlussfolgerungen kommt. Diese Schlussfolgerungen haben aber erst den Charakter eines Verdachts, werden durch Indizien erhärtet und im günstigsten Fall durch das Geständnis des Täters bestätigt. Ein guter Detektiv zeichnet sich durch präzise Beobachtung, einen scharfsinnigen analytischen Verstand und durch intuitive Gabe aus. Alle diese drei Eigenschaften können natürlich unterschiedlich entwickelt sein. Aus diesem Vergleich mit dem Detektiv können wir besser verstehen, worin die Genialität und die Neuartigkeit der Seelsorge eines Josef Kentenich bestanden. Und sie erklärt uns auch teilweise die Fruchtbarkeit seines Wirkens – auch wenn wir uns nur bedingt dem Gnadenhaft-Geheimnisvollen seiner Berufung annähern können.
Gott und die Seelen - und der Rest ist Nebensache
1962 schreibt er über sich in der dritten Person: „Sein ganzes Leben hindurch schwebte ihm ein einziges großes Ideal vor Augen. Gott und die Seelen. Alles andere war für ihn Nebensache. Es wurde zielstrebig dieser einen großen Lebensidee ein- und untergeordnet. Es ging ihm immerdar darum, die Seele für Gott zu öffnen und sie mit ihm unzertrennlich in Verbindung zu bringen. Das verlangte aber unabdinglich dafür zu sorgen, dass die Seele womöglich bis in die letzten Tiefen für Gott und Göttliches geöffnet würde und geöffnet blieb. Darauf legte er vom ersten Augenblick seiner Erziehertätigkeit gebührend Gewicht. Es geschah also mehr als ein Jahrzehnt vor der Zeit, als langsam die Öffentlichkeit anfing, sich damit zu beschäftigen. Seit 1919 weitete die göttliche Vorsehung seinen Arbeits- und Einflusskreis. Das geschah von da ab Jahr um Jahr in wachsendem Maße. So kam es, da sich ungezählt viele Seelen aus allen Ständen und Klassen aus allen Altern und Geschlechtern ihm weit öffneten.“
Pater Elmar Busse ist Schönstatt Pater und seit vielen Jahren in der Jugend- und Familienseelsorge tätig.
Pfingsten 2010 findet der 3. Europäische Familienkongress in Schönstatt statt.
Pater Elmar Busse stimmt mit einer Artikel-Serie schon jetzt auf das sperrig klingende Thema - der Schönstättische Bindungsorganismus - ein. ACHTUNG: leider keine langatmig-theoretische Abhandlung, sondern bloß sensationell ansteckend und mitreißend geschrieben...
In diesem Artikel: "Mit dir in Liebe verbunden"
Als 1998 der Film "Der Pferdeflüsterer" in die Kinos kam, wurde er schnell zum Kassenschlager. Der Schauspieler und Regisseur Robert Redford als der Pferdeflüsterer Tom Booker trug viel dazu bei, dass aus der gleichnamigen Romanvorlage des Engländers Nicholas Evans von 1995 ein Film wurde, der die Herzen bewegte.
Die Geschichte
Die Geschichte: Die 13jährige Grace Graves erleidet einen tragischen Reitunfall. Ihre Freundin und deren Pferd sind bei dem Zusammenstoß mit einem Truck auf schneeglatter Fahrbahn sofort tot. Grace verliert einen Unterschenkel, und ihr Pferd Pilgrim ist so traumatisiert, dass es keinen Menschen mehr an sich heran lässt. Graces Mutter Anni, eine erfolgreiche Journalistin, sowie ihr Vater, der eine gut gehende Anwaltspraxis leitet, suchen nach Wegen, wie ihre Tochter, die sich hinter einer Mauer von Wut, Trauer und Schuldgefühlen verbarrikadiert hat, wieder zurück ins Leben findet. Beide Eltern repräsentieren die erfolgreichen Machertypen von New York. Annie findet schließlich die Adresse eines so genannten „Pferdeflüsterers“ im Westen der USA, der zunächst bei einer Reise in den Osten das Tier besichtigt, dann aber die Behandlung ablehnt. Die Mutter, engagiert und erfolgsgewohnt, kann sich mit dieser Ohnmachtserfahrung nicht abfinden und fährt mit ihrer gehbehinderten Tochter und dem traumatisierten Pferd die tausenden Meilen zur Ranch von Tom Booker. Auf der langen Fahrt kommt es zwischen Tochter und Mutter zum Konflikt – genau am Nationaldenkmal der Schlacht am Little Bighorn, wo die Indianer die Truppen von George Armstrong Custer im Juni 1876 besiegt hatten. Die Tochter schreit ihre Mutter an: "Du entscheidest! Machst du immer! Du tust doch nur so, als wenn dir das wichtig wäre, was andere Menschen wollen, dabei kümmert dich das einen Dreck."
Schock
Schockiert über den Wutausbruch ihrer Tochter verlässt Annie das Auto und rennt in die Abenddämmerung. An diesem Ort so großen Leids kann sie endlich auch ihren Tränen freien Lauf lassen. Sie blickt auf ihr Leben und bemerkt bitter, dass sie Ihr Leben lang dort gelebt hatte, wo sie nicht hingehörte, Amerika war nicht ihre Heimat, England aber auch nicht mehr, wenn sie jetzt dorthin zurückkehrte. In jedem Land behandelte man sie, als käme sie aus dem jeweils anderen. In Wahrheit kam sie nirgendwo her. Sie besaß kein Zuhause. Nicht mehr, seit ihr Vater gestorben war. Sie trieb ziellos dahin, sippenlos, wurzellos. Einst hatte sie das für eine große Kraft gehalten. Sie besaß die Fähigkeit, sich einzubringen. Sie konnte sich umstandslos anpassen, sich in jede Gruppe einschmeicheln, sich jeder Lage fügen, mit jeder Kultur verschmelzen. Sie wusste instinktiv, was von ihr erwartet wurde, wen man kennen und was man tun musste, wenn man gewinnen wollte. Und in ihrer Arbeit, der sie so lange verfallen gewesen war, hatte ihr dieses Talent geholfen, alles zu gewinnen, was sich zu gewinnen lohnte. Doch seit Graces Unfall schien ihr das Erreichte wertlos… Da sie jeden Zugang zu sich selbst verloren hatte, besaß sie auch keinen Zugang mehr zu ihrem Kind, und deshalb litt sie unter Schuldgefühlen. Aktivität war für sie zum Ersatz für Emotionen geworden.“[ ]
Ganz anderer Lebensstil
Der Pferdeflüsterer steht für einen ganz anderen Lebensstil. Bodenständig und naturverbunden ist er nicht der Machertyp, sondern er versucht mittels seiner guten Beobachtungsgabe, seiner Sensibilität und psychologischen Begabung, sich in die traumatisierten Pferde einzufühlen. Für Tom Booker ist es gar nicht so leicht, der Mutter verständlich zu machen, worauf es ankommt. In einem der ersten Gespräche erklärt er: "Im Augenblick wollen wir versuchen, ihm wieder beizubringen, was es heißt, ein Pferd zu sein. Die anderen Pferde wissen das schon. Sie verhalten sich wie Pferde in freier Wildbahn, nämlich wie Herdentiere. Haben sie ein Problem, dann halten sie zusammen. Aber Pilgrim hat das komplett vergessen. Er glaubt, keinen einzigen Freund mehr auf der Welt zu haben. Dabei möchte er gerne Freunde finden, er weiß nur nicht mehr, wie das geht."[ ] Im weiteren Verlauf des Romans gelingt es Tom Booker, sowohl das Vertrauen von Pilgrim wie von Grace zu gewinnen. Geduld, Zähigkeit und Einfühlungsvermögen haben diese Heilungsprozesse möglich werden lassen, die für die Stadtmenschen fast an Zauberei grenzen. Am Ende des Romans ist aus der verschlossenen und wuterfüllten Grace ein selbstbewusstes kontaktfreudiges Mädchen geworden, das trotz ihrer Behinderung wieder reiten kann – sogar auf ihrem ebenfalls geheilten Unfallpferd Pilgrim.
Was zählt wirklich?
Wenn zu Pfingsten 2010 ca. 90 Familien aus 17 europäischen Ländern nach Schönstatt kommen, dann soll es genau um die Fragen gehen, die in dem Roman bzw. Film prototypisch aufgezeigt werden. Wie findet der moderne Mensch, der geprägt und oftmals auch getrieben ist von einer sich als notwendig präsentierenden Mobilität, von dem Leistungsdruck und einem oft mörderischen Konkurrenzdenken, wieder zu sich selbst? Was ist das, was wirklich zählt im Leben?
Was Menschen heute umtreibt, sind Beziehungsprobleme. Angespannte und zerbrochene Beziehungen in Familien hinterlassen seelische Wunden. Angst vor neuen Verletzungen und die Unfähigkeit, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen, treiben in die Einsamkeit. Seelische Nähe schenken und annehmen zu können, fällt vielen schwer.
Pater Josef Kentenich, im Waisenhaus groß geworden, war aus eigenem Erleben sensibilisiert für diese modernen Formen der Armut. Sein eigener Heilungs- und Reifungsweg wurde für viele, die ihm begegneten, zum Weg aus der Beziehungsarmut in den Beziehungsreichtum
Der dritte Europäische Ehe- und Familienkongress in Schönstatt möchte diesen Weg Pater Kentenichs und die vielfältigen Initiativen, diese Not heute zu beheben, vorstellen, und einen europäischen Erfahrungsaustausch ermöglichen. Der bevorzugte Ort seines Ansatzes ist die Familie.
Die Kongresstage kreisen schwerpunktmäßig um die Themen:
Themenschwerpunkte für die drei Kongresstage:
Pater Elmar Busse ist Schönstatt Pater und seit vielen Jahren in der Jugend- und Familienseelsorge tätig.
Erfahrungbericht von Jenny
Bei mir in der Familie war es so, dass mein Bruder und ich uns ein Zimmer geteilt haben (etwa 12m²) bis ich mit 21 ausgezogen bin. Wir haben das nie als etwas Schlechtes gesehen, im Gegenteil - es war sehr lustig miteinander, wir haben beim Schlafengehen getratscht, gemeinsam Hausübung gemacht, ... Eigentlich war es eine Bereicherung und wir haben nie (auch jetzt im Nachhinein) gefunden wir bräuchten mehr Platz.
Bei meinen Eltern war es sicher ähnlich, dass meine Mama hätte arbeiten gehen müssen, wenn wir eine größere Wohnung gehabt hätten.
Mein Mann und ich haben vergangenes Jahr ein Haus gebaut. Wir hätten sogar genug Platz für drei Kinderzimmer, haben aber vorerst 1 Kinder(schlaf)zimmer, 1 Spielzimmer und ein Arbeitszimmer (wobei sicher im Wohnzimmer am meisten gespielt und Zeit verbracht wird). Wir möchten, dass unsere Kinder in einem Zimmer schlafen und sich ein Zimmer zum Spielen teilen. Uns ist es wichtig, dass sie gemeinsam sind und sich nicht isolieren. Sie sollen von kleinauf Gemeinschaft erleben, teilen lernen und auch Konflikte bewältigen.
Vielleicht werden wir auch irgendwann noch mit einem dritten Kind gesegnet, dann teilen sich drei Kinder das Spiel- und Schlafzimmer.
Wir kennen eine Familie, wo sich vier Kinder ein Zimmer teilen, das scheint auch gut zu funktionieren.
Aber auch wir wurden schon kritisiert, warum wir die Kinder nicht in zwei getrennte Zimmer legen. Unsere Erfahrung ist und war, man muss sich als Familie klar sein, was einem wichtig ist (was kann ich mir gut leisten, braucht jedes Kind ein eigenes Zimmer, ...) und das dann vetreten.
Einladung zur Familienmesse im Stift Göttweig
am 14.2.2010
mit Abt Mag. Columban Luser OSB
gestaltet von den Schönstattfamilien der Diözese St. Pölten
Im Anschluss laden die Schönstattfamilien zur Agape in die Benediktuskapelle!
aus der Zeitschrift: Familie als Berufung
Zwei oder drei Monate war ich in der neuen Firma. Es gab duzende neue Kollegen und Kolleginnen. Eine Mitarbeiterin, mit der ich relativ viel zusammenarbeiten mußte, war gleich im Nebenbüro. Eines Tages ging sie an mir vorbei, ich drehte mich um - und peng! Auf einmal habe ich gemerkt: Ich hatte mich in sie verliebt. So richtig, mit Herzflattern.
In mir war alles in Aufruhr, ich war richtig verstört.
Ich bin doch verheiratet, und glücklich verheiratet. Wir haben auch keine Krise zu Hause, es gibt auch keine Entfremdung. Ich war mir eigentlich sicher, daß mir „so etwas" nie passieren könnte. Und warum jetzt das? Ich wollte das nicht!! Oder, hatte ich es doch zugelassen? Plötzlich dachte ich an Besprechungen, die doch etwas länger gedauert haben oder an die gute Stimmung zwischen uns, die ich doch recht genossen hatte?!
Maßnahmen, die mir in Folge geholfen haben, waren:
Keine Besprechungen allein: Das war schwer, weil wir an einem gemeinsamen Projekt arbeiten und aufeinander angewiesen sind. Ich hatte die Idee, einen neuen Mitarbeiter, der gerade erst in der Firma begonnen hatte, dazuzuholen, damit er gleich Einblick in ein laufendes Projekt bekommt. Mein Chef war einverstanden.
Keine Schwätzchen zwischendurch: Beim Kaffeeholen, beim Warten auf den Kopierer - es gibt viele Gelegenheiten zum Kontakt. Jetzt habe ich das bewußt minimiert auf einen kurzen Gruß.
Äußerlich unberührt: Für mich ist das ohnehin selbstverständlich, daß ich bei dem allgemeinen „Küßchen, Küßchen" nicht mitgemacht habe; aber auch kein freundschaftliches auf die Schulter klopfen etc. Bei der Gelegenheit habe ich bemerkt, wie viel Wert in unserem Betrieb auf enge Kommunikation zwischen den Mitarbeitern gelegt wird, und wie das auf einen schon ungewollt abfärbt.
Und ich habe jeden Tag das Ehesakrament erneuert. Ich habe mich in Gedanken an dem Satz festgehalten: „Ich will dich lieben, achten und ehren, alle Tage, so lange ich lebe." Da ist ein will drinnen, das hieß für mich: Mein Entschluß zur Treue zählt. „Ich will dich lieben" hieß, ich erlaube mir keine unnötigen Gedanken über wen andern. Und „Ich will dich lieben" bedeutete, mich bewußt zu bemühen, meiner Frau doppelt Aufmerksamkeit, Zuwendung und gemeinsame Zeit zu schenken.
Ich wollte mir nichts vormachen
Ich habe nicht gedacht, daß diese Zeit so schwer wird. Immer wieder hat es mich zu dieser Mitarbeiterin hingezogen. Manchmal kam auch der Gedanke: „Aber das ist doch völlig harmlos." Aber ich wollte mir nichts vormachen. Mir persönlich hat es unheimlich gut getan, wie mir ein Seelsorger – der mich und meine Frau seit Jahren kennt – einmal gesagt hat: „Ja, verlieben, das kann einem trotz allem Bemühen schon passieren. Aber eine Gefahr für die Treue, die besteht bei Ihnen nicht." Dieses Vertrauen hat mir sehr viel Kraft gegeben, einfach weiter durchzuhalten. Ich bin persönlich überzeugt, daß die Gottesmutter mich in dieser Zeit besonders beschützt hat. Ich schätze, es ging ein halbes Jahr, bis ich plötzlich bemerkt habe: Ich blicke nicht mehr im Vorbeigehen auf ihre Zimmertüre. Meine Gedanken waren frei.
Im Nachhinein bin ich Gott unheimlich dankbar, daß er seine Hand über unsere Ehe gehalten hat. Und für die Erfahrung: Man ist seinen Gefühlen nicht willenlos ausgeliefert; man kann so eine Zeit durchstehen und durchkämpfen, im Vertrauen darauf, daß er das von uns möchte. Und daß er uns eine neue Liebe zueinander schenkt.
von Nina Bankhofer
Mein Mann und ich haben den Valentinstag noch nie großartig gefeiert. Und doch erinnern wir uns an diesem Tag gerne an den Tag, an dem wir uns kennen gelernt und verliebt haben. Und was der liebe Gott alles in die Wege geleitet hat, damit gerade wir Zwei ein Paar werden! Da ist es ja kein Wunder, dass wir am Valentinstag besonders liebevoll und umgänglich zueinander sind und dem Partner die eine oder andere Aufmerksamkeit schenken. Manchmal ist es "nur" ein tiefer Blick, ein anderes Mal eine rote Rose. Und so etwas bringt mich dann auf viele romantische Kleinigkeiten, die sich vielleicht ganz "normal" anhören, aber trotzdem nicht selbstverständlich sind:
Wenn ER zu einem Termin muss, begleite ich ihn noch zum Auto - egal, ob es stürmt oder schneit, denn beim Abschiedskuss vergessen wir das Wetter auf jeden Fall!
Wenn ER es nicht erwartet, borge ich für uns eine DVD im Videoladen aus - und zwar den Film, den wir beim ersten gemeinsamen Kinobesuch angeschaut haben. Romantische Stunden während und nach dem Film sind mir garantiert!
Wenn ER zur Arbeit muss, wird er in seiner Aktentasche etwas von mir finden - einen Zettel, auf dem steht, was ich alles an ihm liebe. Es dauert " ewig", bis er nach Hause kommt, aber Vorfreude ist doch die schönste Freude!
Wenn ER nach Hause kommt, hängt ein neues Bild im Schlafzimmer - ich habe ihm eine Fotokollage gebastelt; vom Beginn unserer Liebe bis heute. Und das Foto von seinem Gesicht, wenn er das Bild bemerkt, klebe ich dann gleich dazu!
Wenn ER unseren Sohn ins Bett gebracht hat, steht sein Lieblingsgericht am Tisch, das ich für ihn gekocht habe - Liebe geht durch den Magen!
Wenn ER mit der Arbeit fertig ist, heize ich den Kamin an und wir trinken ein Glas Wein - Jahrgang: Kennenlern-Jahr!
von Familie Pichler
Kennengelernt haben wir die Idee in der FAB-Community. Da wurde davon berichtet, dass sich das Ehepaar bewußt einmal in der Woche füreinander Zeit nimmt und mindestens eineinhalb Stunden miteinander verbringt und dabei besprechen, wie es beiden derzeit geht, was an Problemen/Wünschen/Bedürfnissen ansteht, etc.
Karin: Ich war (wie meistens
) Feuer und Flamme - das wollte ich auch einmal pro Woche machen!
Michael: Ehrlich gesagt bekam ich akutes Bauchweh beim Gedanken, dass ich mich ein Mal wöchentlich gezielt der Frage "Wie geht es dir" stellen müsste. Angesichts von Karins Begeisterung gab ich aber mal das OK für den ersten Eheabend.
Karin: Ich widmete mich mit Begeisterung und Hingabe dem Thema "Wie geht es mir, dir, uns ..." und ...
Michael: ... ich fühlte mich wie in einem Verhör. Für mich ist es unheimlich stressig auf Knopfdruck sprechen zu müssen und dann noch über mein Befinden, Probleme, ... das war furchtbar!
Karin: Langsam dämmerte mir, dass das wohl noch nicht die Idealform des Eheabends für beide sein kann. Hm - aber die Idee war doch gut? Nächster Versuch: wir bereiten uns vor! Wir beantworten Fragen auf Karteikarten! Das sollte das Reden-auf-Knopfdruck-Gefühl verhindern. Allerdings fand ich die Sache selbst ziemlich anstrengend, weil ich viel lieber rede, als schreibe.
Michael: Gründlich, wie ich nun einmal bin, widmete ich mich über eine Stunde der Beantwortung der Fragen und war nicht nur völlig erschöpft sondern weiter abgeschreckt von der Einrichtung des Eheabends.
Karin: OK - mein nächster Versuch war gescheitert! Mir wurde klar, dass Michael einfach andere Bedürfnisse und Vorstellungen hatte wie ich und dass das nicht so einfach übergangen oder gar geändert werden konnte. Es folgte eine längere Pause - irgendwie fehlte die Idee, wie wir einen Eheabend stressfei organisieren konnten. Es war klar, dass ein wöchentlicher Fixtermin für uns einfach nicht die Lösung war.
Michael: Ich komme unter Druck, wenn ein Fixtag für den Eheabend angesetzt wird. Termine haben für mich - beruflich bedingt - sowieso einen negativen Touch.
Karin: Und jetzt hat sich plötzlich eine gute Lösung ergeben! Gestern vormittag kam mir spontan die Idee, doch einfach den Prosecco, den ich geschenkt bekommen habe kühlzustellen. Abends haben wir dann einfach den Fernseher abgedreht und uns zusammengesetzt. Zunächst gabs ganz lockeres Gespräch über Verschiedenes und langsam entwickelte sich ein stressfreies Gespräch über uns, die Beziehung, unsere Wünsche, was uns beschäftigt, usw. Interessant war, dass die Themen, die grad wichtig sind einfach so auftauchen - es braucht keinen Plan! Fazit: Wir waren uns einig: das möchten wir öfter machen! Mal sehen wie sich die Sache weiterentwickelt! Wir sind selbst gespannt und berichten!